Mittwoch , 23. September 2020
Wer bekommt Bafög – und wer nicht?

Gebt den Studenten mehr Geld – und das gleich im doppelten Sinn

Viele Anträge von Studenten auf Nothilfe in der Pandemie sind abgelehnt worden, weil die Betroffenen die vorgegebenen Kriterien nicht erfüllen. Das Deutsche Studentenwerk weist jetzt darauf hin: Die Not gibt es trotzdem. Es muss sich etwas ändern bei der Studienfinanzierung, kommentiert Tobias Peter.

Berlin. Es ist eine Zahl, die stutzig macht. Von mehr als 80.000 Anträgen von Studenten auf finanzielle Nothilfe in der Corona-Krise sind rund 26.000 abgelehnt worden, hieß es zuletzt. Versuchen hier Studenten sich auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen zu füllen?

Nein. Dieser Eindruck wäre falsch. Die Bundesregierung hat die Kriterien für Nothilfe an die Studenten – die ohnehin sehr spät kam – eng gezogen. Weniger als 500 Euro müssen sie auf dem Konto haben, um überhaupt infrage zu kommen. Und die Notlage muss – was natürlich richtig so ist – pandemiebedingt sein. Das ist etwa der Fall, wenn jemand wegen Corona seinen Job verloren hat.

Ein bemerkenswerter Satz

Genau das konnten viele der Studenten nicht nachweisen, hat der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, dem “Handelsblatt” gesagt. Er ergänzte diese Information aber mit dem bemerkenswerten Satz: “Das heißt aber nicht, dass sie nicht in einer Notlage sind, sondern dass diese schlicht schon vorher bestand.”

Es wäre falsch, die Lage zu dramatisieren. Wahr ist aber: In vergangenen Jahren hat es stets zu lange gedauert, bis die Bundesregierung sich durchgerungen hat, das Bafög zu erhöhen. Und: Es gibt bei der Förderung ein Untere-Mittelschicht-Problem. Zu viele bekommen kein oder kaum Bafög, obwohl ihre Eltern das Studium nicht hinreichend finanzieren können.

Gebt den Studenten mehr Geld! Das ist ein Satz, der platt klingt und zu simpel. Manchmal stimmen die einfachen Sätze aber auch. Hier ist das sogar im doppelten Sinn der Fall. Erstens wäre es richtig, die Nothilfen für Studenten in der Corona-Pandemie großzügiger zu fassen. Denn sie fallen – im Vergleich mit Hilfsangeboten für andere – mickrig aus. Zweitens ist eine gründliche Reform des Bafög überfällig. Eine, die dafür sorgt, dass das Geld auch wirklich bei denen ankommt, die es brauchen.

Von Tobias Peter/RND