Montag , 26. Oktober 2020
Ex-Moderatorin Eva Herman hält nach “Spiegel”-Berichten rechtspopulistische Seminare in Kanada.

Bericht: Rechtes Netzwerk um Eva Herman organisiert Umsiedlungen nach Kanada

Ein Netzwerk um die ehemalige Tagesschausprecherin Eva Herman soll in Kanada verschwörungstheoretische Seminare halten. Die Teilnehmer werden zum Umzug auf eine kanadische Insel motiviert. Der “Spiegel” berichtet, dass bereits Hunderte Deutsche der Idee gefolgt sind. Herman selbst dementiert den Bericht.

Eine Kolonie an Rechtsradikalen und Verschwörungsideologen aus Deutschland – in der kanadischen Provinz Nova Scotia könnte ein solches Szenario wahr geworden sein. Wie der “Spiegel” in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, haben sich Hunderte Deutsche auf der Insel Cape Breton angesiedelt, die zu Nova Scotia gehört. Cape Breton ist viermal so groß wie das Saarland, zählt aber nur etwa 130.000 Einwohner.

Gelockt wurden die neuen Inselbewohner dem Bericht zufolge durch den rechten Untergangspropheten Andreas Popp und Eva Herman, Ex-Tagesschausprecherin und Publizistin rechtspopulistischer Thesen, sowie Frank Eckhardt, der den Reichsbürgern nahesteht. Mit diesem sollen Herman und Popp jedoch nicht zusammenarbeiten. Kaufverträge, Wertgutachten, Gerichtsakten und Protokolle sollen beweisen, dass Grundstücke auf Cape Breton an Deutsche verkauft wurden, nachdem diese an Seminaren einer rechten Wissensmanufaktur teilgenommen haben, die Popp gegründet hat.

Investition ins krisensichere Kanada

In den Seminaren, die Popp gemeinsam mit Herman auf Cape Breton abhält, werde den Teilnehmern der Zusammenbruch der europäischen Wirtschafts- und Sozialsysteme prophezeit. Die Veranstalter legen ihren Teilnehmern eine Investition ins angeblich krisensichere Kanada nah und bieten ihnen Grundstücke zum Kauf an. Größtenteils wohl überteuert.

Dem “Spiegel” liegen Dokumente vor, die zeigen, dass Frank Eckhardt potenzielle Grundstückskäufer aus Deutschland mit rechtsradikaler Propaganda indoktriniert. Eckhardt verschickt auch E-Mails mit Texten, in denen der Holocaust geleugnet wird. Bereits Ende letzten Jahres wurde das Bundeskriminalamt in Wiesbaden über Eckhardts Aktivitäten von Interpol Ottawa informiert.

Herman und Popp bestreiten ihre Beteiligung an dem Projekt. “Eva Herman kennt diesen Mann überhaupt nicht, sie hat ihn noch nie gesehen oder mit ihm gesprochen. Andreas Popp hat seit 15 Jahren keinen Kontakt zu Herrn Eckhardt, da er mit dessen umstrittenen Geschäftspraktiken und dessen politischer Einstellung nichts zu tun haben möchte”, heißt es in einer Stellungnahme. Gegen den Bericht des Nachrichtenmagazins wolle man juristisch vorgehen.

lhen/RND