Sonntag , 27. September 2020
Maria Kolesnikowa (rechts), Vertreterin des Ex-Bankchefs Babariko, dessen Kandidatur von der Wahlkommission verweigert wurde, Swetlana Tichanowskaja, Kandidatin bei der Präsidentenwahl in Belarus, und Veronika Zepkalo, Ehefrau des nicht zugelassenen Kandidaten Zepkalo, bei einem Wahlkampfauftritt. Quelle: Sergei Grits/AP/dpa

Wahlen in Belarus: Drei Frauen gegen Präsident Lukaschenko

Im August sind Präsidentenwahlen in Weißrussland. Unter den Herausforderern des seit Jahrzehnten amtierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko haben sich drei Frauen zu einem Bündnis geschlossen. Kandidatin Tichanowskaja will bei einem Sieg auch ihren prominenten Ehemann aus der Gefangenschaft befreien.

Minsk. Vor der Präsidentenwahl in Belarus (Weißrussland) haben sich drei Frauen zu einem Bündnis gegen Präsident Alexander Lukaschenko zusammengeschlossen. Die 37-jährige Swetlana Tichanowskaja will als Kandidatin bei der Wahl am 9. August Lukaschenko nach 26 Jahren aus dem Amt drängen, zusammen mit zwei anderen Frauen von nicht zur Wahl zugelassenen Oppositionellen.

Sie kündigte an, bei einem Erfolg alle politische Gefangenen – darunter ihr Ehemann Sergej Tichanowski – aus dem Gefängnis zu entlassen und Neuwahlen anzusetzen.

Chance für etwas Neues

Tichanowskaja begann am Donnerstag ihre Wahlkampftour in der Hauptstadt Minsk. Begleitet wurde sie von den Frauen des inhaftierten Ex-Bankiers Viktor Babariko und des Unternehmers Waleri Zepkalo.

„Es gibt das erste Mal seit Jahren eine Chance für etwas Neues in Belarus“, sagte die Expertin Maryna Rakhlei von der Denkfabrik German Marshall Fund in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Belarus habe noch nie so große Proteste wie in den vergangenen Wochen gesehen.

Tausende hätten in Schlangen angestanden, um mit Unterschriften die Gegenkandidaten von Lukaschenko zu unterstützen. “Die Menschen haben die Angst verloren.” Nach Jahren des Stillstands seien sie “müde und hoffnungslos”.

“Frauenpower gegen Lukaschenko”

“Es ist keine Wahl für irgendjemanden, sondern vor allem gegen einen: Lukaschenko”, sagte Rakhlei. Ein Beweis für den großen Veränderungswillen sei auch, dass ursprünglich 55 Kandidaten Präsident werden wollten – nur fünf bekamen eine Zulassung. Tichanowskaja ist die einzige Vertreterin der Opposition.

So gesehen sei die “Frauenpower gegen Lukaschenko” ein geschickter Zug. “Sie haben schon jetzt mehr Anhänger auf die Straße gebracht als je ein Kandidat der Opposition. Vieles läuft sehr spontan, innovativ und emotional, aber auch professionell”, sagte die Expertin.

Rakhlei erwartet, dass es im Fall eines haushohen Sieges von Lukaschenko zu neuen Protesten kommt. Lukaschenko glaube fest an eine sechste Amtszeit. Wie 2010, als er Gegnern einen versuchten Staatsstreich vorgeworfen hatte, sei auch diesmal mit dem Einsatz von Gewalt zu rechnen.

RND/dpa