Sonntag , 1. November 2020
Das Rettungsschiff Ocean Viking liegt im Hafen von Porto Empedocle vor Anker (Archivfoto). Quelle: Fabio Peonia/LaPresse/AP/dpa

Hilfsorganisation: Italien setzt Rettungsschiff “Ocean Viking” fest

Zuletzt hatte die Besatzung der “Ocean Viking” Ende Juni 180 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Nun haben die italienischen Behörden das private Rettungsschiff laut der Betreiber festgesetzt. Die SOS Mediterranee spricht von „behördlicher Schikane“.

Rom. Das private Rettungsschiff „Ocean Viking“ ist nach Angaben der Betreiberorganisation nach elfstündiger Inspektion am Mittwoch im Hafen von Porto Empedocle auf Sizilien festgesetzt worden. Die italienischen Behörden hielten das Schiff auf unbestimmte Zeit fest, teilte SOS Mediterranee in der Nacht zum Donnerstag mit.

Es handle sich um “eine neue Stufe behördlicher Schikane”, beklagte die Hilfsorganisation. Das Schiff habe mehr Personen befördert, als im Zertifikat für die Ausrüstung von Frachtschiffen angegeben, sagte die Küstenwache demnach zur Begründung der Festsetzung. Die Betreiber der “Ocean Viking” halten dies für nicht gerechtfertigt.

Zwar komme es bei Rettungseinsätzen vor, dass das Schiff mehr Menschen aufnehme, als in den Papieren angegeben. Diese sollten aber nicht als „Passagiere“ definiert werden, da es sich um „bei Seenotfällen Gerettete“ handle, also um Menschen, die vor dem Ertrinken bewahrt worden seien, argumentiert die Hilfsorganisation. „Nach internationalem Seerecht ist deren Rettung Pflicht.“

Italien und Malta hatten sich in Pandemie zu nicht sicheren Häfen erklärt

Zuletzt hatte die Besatzung der “Ocean Viking” am 25. und 30. Juni 180 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Anfang Juli durften die Migranten das private Rettungsschiff in Porto Empedocle verlassen. Wegen der Coronavirus-Pandemie waren sie zwischenzeitlich auf einer Quarantänefähre untergebracht worden.

Italien und Malta hatten sich in der Corona-Pandemie zu nicht sicheren Häfen erklärt. Trotzdem brechen Migranten von Libyen und Tunesien in Richtung Europa auf. Rom und Valletta nahmen zuletzt zwar wieder Menschen von Schiffen auf, doch die Länder zögern mit der Zuweisung von Häfen oft lange. Sie fordern von anderen EU-Staaten regelmäßig Zusagen für die Weiterverteilung der Menschen.

RND/dpa