Dienstag , 20. Oktober 2020
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Quelle: imago images/Christian Spicker/Xinhua/Montage RND

Merkel-Telefonat mit Erdogan: Bundesregierung verhindert Eskalation zwischen Türkei und Griechenland

Angela Merkel als internationale Vermittlerin: Nach Anrufen der Bundeskanzlerin scheint sich die Lage zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer vorerst entspannt zu haben. Grund für eine drohende Eskalation sind Pläne der Türkei, in der Ägäis nach Erdgas zu bohren. Beide Staaten beanspruchen das Gebiet für sich.

Berlin. Eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer? Durch die Pläne der Türkei, im östlichen Mittelmeer nach Erdgas bohren zu wollen, scheint dieses Risiko gestiegen zu sein. Als Vermittlerin hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschaltet. Das bestätigte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Mittwoch in der Bundespressekonferenz.

Seit Dienstag befinden sich Kriegsschiffe beider Staaten in der Ägäis. Wenige Stunden nach der Ankündigung der Türkei rief Griechenlands Marine den Alarmzustand aus, weil 18 türkische Kriegsschiffe in Richtung der Insel Kastellorizo unterwegs waren, die direkt vor der Küste des türkischen Festlands liegt. Diesen Teil des Mittelmeers beanspruchen beide Staaten für sich.

Kriegsschiffe drehen nach Anrufen der Kanzlerin ab

Daran, dass es nicht zur Eskalation kam, hat offenbar die Bundeskanzlerin einen Anteil: Nach Angaben von Regierungssprecherin Demmer telefonierte Merkel mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Kurz darauf seien die türkischen Schiffe abgedreht.

Die Ägäis ist ein Teil des Mittelmeers zwischen dem griechischen und dem türkischen Festland. Die zahlreichen Inseln in der Ägäis gehören fast ausnahmslos zu Griechenland – auch jene, die direkt vor der türkischen Küste liegen. Beide Staaten streiten um die Grenzen ihrer Hoheitsgewässer und ihrer ausschließlichen Wirtschaftszonen.

 

Von Tammo Kohlwes/RND