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Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie sind ein großes Problem in Katar.

Deutsche Initiative „Gegen Homophobie in Katar“ fordert Aufklärungskampagne vor WM

Berlin. Der Vorsitzende der Initiative „Liebe kennt keine Pause – gegen Homophobie in Katar“, Bernd Reisig, hat angesichts der jüngsten Äußerungen des katarischen WM-Botschafters Khalid Salman zum Thema Homosexualität Konsequenzen gefordert. Reisig hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Bernd Neuendorf, kürzlich auf ihrer Reise nach Katar begleitet.

„Die Aussagen sind furchtbar und überhaupt nicht hinzunehmen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Ich erwarte sowohl von der Fifa als auch von Katar eine klare Distanzierung. Sie ist notwendig, um die Gespräche, die wir gemeinsam in einem guten Geist geführt haben, nicht völlig unglaubwürdig zu machen.“

„Unsere Kultur und Religion ändern sich nicht für die Weltmeisterschaft.“

Salmans Äußerungen müssten auch im Emirat selbst Konsequenzen haben. „Katar muss vor der WM deutlich erklären, dass alle willkommen sind, auch queere Menschen“, mahnte Reisig. „Das fehlt mir bisher komplett. Es muss dafür klare Signale nicht nur nach außen, sondern auch nach innen setzen – an die Polizei, an die WM-Botschafter, an die Bevölkerung. Nötig ist eine Aufklärungskampagne. Sonst wird es riesige Probleme geben.“

Salman, einer von zehn lokalen WM-Botschaftern, hatte in einer ZDF-Dokumentation erklärt, Schwulsein sei in Katar verboten, weil es ein geistiger Schaden sei. Am Mittwoch schrieb er dann bei Twitter, seine Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden und jeder sei willkommen, betonte allerdings ebenso: „Unsere Kultur und Religion ändern sich nicht für die Weltmeisterschaft.“

Faeser war am 31. Oktober für zwei Tage nach Katar gereist und hatte dort nach eigener Aussage eine „Sicherheitsgarantie“ des katarischen Innenministers für alle Fans bekommen – egal, woher sie kämen, woran sie glaubten und wen sie liebten. Daraufhin hatte die auch für Fragen des Sports zuständige Ministerin gesagt, dass sie zum ersten Spiel der deutschen Mannschaft am 23. November gegen Japan reisen werde.

Von Markus Decker/RND