Freitag , 30. Oktober 2020
Demonstranten stehen mit Plakaten mit der Aufschrift "Crime" bei Protesten gegen den israelischen Ministerpräsidenten in der Nähe seiner offiziellen Residenz. Tausende haben hier unter anderem gegen Netanjahus Krisenmanagement in der Corona-Pandemie demonstriert. Quelle: Ilia Yefimovich/dpa

Proteste in Israel: Demonstrantin entblößt Brust – und erntet heftige Kritik

Eine junge Frau in Israel ist bei einer Demonstration gegen Ministerpräsident Netanjahu auf eine für das Judentum wichtige Menora-Skulptur geklettert und hat ihre Brüste entblößt. Mit der Aktion wollte sie gegen soziale Missstände im Land protestieren. Manche fordern nun eine strafrechtliche Verfolgung.

Tel Aviv. Bei Corona-Protesten in Jerusalem ist eine Demonstrantin am Dienstagabend auf eine Menora-Skulptur geklettert und hat ihre nackte Brust gezeigt.

Die Aktion der jungen Frau in der Nähe des Parlaments (Knesset) sorgte für heftige Kritik auf der einen und Unterstützung auf der anderen Seite.

Die Menora ist ein wichtiges Symbol des Judentums, sie findet sich auch im Staatswappen des modernen Staates Israel wieder.

Parlamentspräsident Jariv Levin forderte eine umgehende strafrechtliche Verfolgung der Demonstrantin. Ziel sei „nicht nur eine Bestrafung, sondern auch eine erzieherische Botschaft“, schrieb Levin bei Facebook.

“Ich bin für das Recht jedes Menschen, zu protestieren, demonstrieren und seine Meinung auszudrücken, aber es gibt einen Unterschied zwischen legitimem Protest und der Schändung staatlicher Symbole.”

“Ich finde nicht, dass der Körper einer Frau etwas Schändliches ist”

In sozialen Medien gab es dagegen viel Unterstützung für die Aktion der jungen Frau. Es zirkulierten Posts mit dem berühmten Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ (1830) von Eugène Delacroix mit einer Szene der Französischen Revolution. Es stellt eine junge Frau mit nackter Brust dar, die eine französische Flagge schwenkt.

Die Demonstrantin sagte dem israelischen Rundfunksender 103FM: “Das ist keine Provokation, und ich fühle mich nicht schuldig.” Sie habe die Aufmerksamkeit auf die sozialen Missstände im Land lenken wollen.

“Ich finde nicht, dass der Körper einer Frau etwas Schändliches ist – aber ein Ministerpräsident, der wegen Straftaten angeklagt ist, das ist sehr schändlich.” Israels rechtskonservativer Regierungschef Benjamin Netanjahu steht wegen Korruptionsvorwürfen in drei Fällen vor Gericht.

Netanjahu wird derzeit auch wegen seines Handelns in der Corona-Krise massiv kritisiert. Vorgehalten werden ihm unter anderem vorschnelle Lockerungen und eine mangelnde Vorbereitung auf eine zweite Corona-Welle.

Die Infektionszahlen waren zuletzt stark gestiegen. Die Krise macht der Wirtschaft des Mittelmeerlandes schwer zu schaffen, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 20 Prozent.

RND/dpa