Samstag , 26. September 2020
Der angeklagte Stephan Balliet (M.) sitzt zu Beginn des zweiten Prozesstages neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l.) und Thomas Rutkowski im Landgericht. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Gericht zeigt Livevideo des Halle-Attentäters – er schaut grinsend zu

Der Prozess um den rechtsextremen Terroranschlag von Halle ist am Mittwoch fortgesetzt worden. Es wurde das Video gezeigt, das der Angeklagte von der Tat drehte. Anschließend wird die Befragung des Angeklagten fortgeführt.

Magdeburg. Der Prozess um den rechtsextremen Terroranschlag von Halle ist am Mittwoch fortgesetzt worden.

Richterin Ursula Mertens begann die Verhandlung am zweiten Prozesstag mit einigen Formalien. Anschließend wurde das Video gezeigt, das der Angeklagte von der Tat drehte.

Während der Sichtung des Tatvideos haben mehrere Nebenkläger den Gerichtssaal verlassen. Einige weitere schauten weg, als das gut halbstündige Video gezeigt wurde. Manche bedeckten ihre Augen und hielten die Hände ihrer Anwälte oder Begleiter. Mehrere Seelsorger kümmerten sich um die Verletzten und Hinterbliebenen des Anschlags.

Stephan Balliet folgte dem Video konzentriert, anfangs mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Die Anwälte der Nebenklage machten einen psychologischen Gutachter im Saal darauf aufmerksam. Im Anschluss an die Sichtung unterbrach Richterin Ursula Mertens die Sitzung für 45 Minuten.

Danach sollten die weiteren vier Richter des Staatsschutzsenats am Oberlandesgericht Naumburg, die beiden Pflichtverteidiger, vor allem aber die 21 Anwälte der 43 Nebenkläger Gelegenheit bekommen, den Angeklagten zu befragen.

Am ersten Verhandlungstag am Dienstag hatte Mertens den Angeklagten gut vier Stunden zu seinem Leben, der Tat und seinen Motiven befragt. Dabei hatte der 28-jährige Sachsen-Anhalter Stephan Balliet den Anschlag vom 9. Oktober in Halle und die 13 ihm vorgeworfenen Straftaten eingeräumt und ein zutiefst menschenfeindliches, von rassistischen Verschwörungstheorien geprägtes Weltbild offenbart.

Für den Terrorprozess sind zunächst 18 Verhandlungstage bis Mitte Oktober angesetzt. Das Gericht hat 147 Zeugen benannt, die Anklageschrift umfasst 121 Seiten.

Balliet hatte am 9. Oktober 2019 einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt, zwei Menschen erschossen und weitere verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat den 28-Jährigen wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiteren Straftaten angeklagt.

Stephan Balliet erschoss eine 40 Jahre alte Passantin vor der Synagoge und in einem Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Mann. Sein Plan war es, in der Synagoge möglichst viele Menschen zu töten.

Er versuchte mit Sprengsätzen und Schusswaffen in die abgeschlossene Synagoge zu gelangen, in der sich zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur 52 Gläubige aufhielten. Er scheiterte aber, weil er die Tür nicht öffnen konnte.

Die Verhandlung findet aus Platzgründen im Magdeburger Landgericht statt.

RND/cle/dpa/epd