Mittwoch , 23. September 2020
Donald Trump, Präsident der USA, zeigt bei seiner Pressekonferenz im Weißen Haus eine Schutzmaske. Doch er setzt sie nicht auf. Quelle: Evan Vucci/AP/dpa

Donald Trump – Der Mann mit der Maske

Unter dem Druck sinkender Umfragewerte widmet sich der US-Präsident nach monatelanger Pause kurz der dramatischen Corona-Krise. Sein gedämpfter Auftritt vor laufenden Kameras sollte eine neue Ernsthaftigkeit ausstrahlen. Doch die Botschaft bleibt hohl und widersprüchlich, kommentiert Karl Doemens.

Washington. Ja, er hat “Maske” gesagt und dass die Pandemie wohl erst einmal schlimmer wird, bevor sie verschwindet.

Donald Trump hat es geschafft, ein paar wissenschaftliche Selbstverständlichkeiten vom Teleprompter abzulesen und eine halbe Stunde lang niemanden zu beleidigen.

Wer will, mag dies einen “neuen Tonfall” nennen und über eine größere Ernsthaftigkeit des Manns im Weißen Haus spekulieren. Man könnte allerdings auch sagen, dass dies für den Präsidenten eines Landes mit fast vier Millionen Covid-19-Fällen und mehr als 140.000 Toten eine Selbstverständlichkeit ist.

Heruntergespielt und verdrängt

Donald Trump hat die Corona-Pandemie von Anfang an heruntergespielt und verdrängt. Die im April nach seinem bizarren Selbstmedikationstipp mit Desinfektionsmittel abgebrochenen Pressekonferenzen hat er alleine dazu genutzt, sich selbst zu loben und seine Umfragewerte aufzupolieren.

Daran hat sich am Dienstag mit dem ersten Briefing nach monatelanger Pause nichts geändert.

Nur unter dem Druck seiner schwindenden Umfragewerte bequemte sich Trump in den Presseraum, und seine Berater hatten ihm aus taktischem Kalkül ein paar halbwegs vernünftige Bemerkungen zur grundsätzlichen Sinnhaftigkeit des Abstandhaltens und des Masketragens ins Manuskript geschrieben.

Wie eine Trophäe

Er selbst trug seinen Mund-Nase-Schutz freilich nur wie eine Trophäe in der Jackettasche, und der Rest seiner Corona-TV-Show war ähnlich widersprüchlich oder befremdlich.

Weshalb zum Beispiel erschien der Präsident allein und ohne seine Experten auf der Bühne? “Doktor Birx ist da hinten”, antwortete er und zeigte auf den Gang hinter dem Briefingraum, in dem die Leiterin der offiziellen Taskforce offenbar warten musste. Chef-Epidemiologe Anthony Fauci war erst gar nicht eingeladen worden.

Er meldete sich vor Trumps Auftritt in einem Interview bei CNN zu Wort, in dem er kritisierte, dass es in den USA inzwischen sechs bis zehn Tage dauert, ehe das Ergebnis eines Covid-Tests aus dem Labor zurückkommt, was die Tests praktisch wertlos mache.

Nur keine Details

Trump hingegen brüstete sich vor den Kameras erneut, dass die USA “mehr Tests als irgendjemand anderes in der Welt” durchführten und überhaupt die niedrigsten Sterberaten hätten – was von den auf die Bevölkerungsgröße bezogenen offiziellen Statistiken etwa der Johns Hopkins Universität widerlegt wird.

Bemerkenswert war auch die Reaktion auf die Frage, wie oft er selbst getestet werde. “Mehrmals am Tag” hatte seine Sprecherin Kayleigh McEnany wenige Stunden zuvor gesagt. “Alle paar Tage” und jedenfalls nicht mehrmals am Tag, antwortete Trump nun.

Mit den Details nimmt man es im Weißen Haus nicht so genau.

Viel Selbstlob

Ansonsten bot Trump viel Selbstlob. Zwar räumte er eingangs kurz die offensichtliche Malaise ein, dass es “wahrscheinlich leider schlimmer wird, bevor es besser wird”. Doch bald war er in seinem üblichen Schönsprech zurück, demzufolge das “China-Virus” niemals von Peking in die Welt geschickt werden hätte dürfen, die USA “auf sehr gutem Weg” sind, schon “sehr bald” eine Impfung zur Verfügung steht und die Wirtschaft einem “Rekordjahr“ entgegenstürmt.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der neue “ernsthafte Ton” von Trump nicht lange halten wird. Zu deutlich war sein Versuch, alles Lob für angebliche Erfolge selbst einzuheimsen und die Verantwortung für Fehler auf die Gouverneure abzuwälzen.

Zu substanzlos war sein Versprechen, dass die außer Kontrolle geratene Pandemie demnächst schon verschwinden werde. Und zu offensichtlich sein Drang, lieber über Steuersenkungen und Aktienkurse zu reden als über den Tod von 140.000 Amerikanern.

Bizarrer Moment

Und dann war da der bizarrste Moment des 35-minütigen Auftritts, als Trump nach Ghislaine Maxwell gefragt wurde, der Ex-Freundin des Kinderschänders Jeffrey Epstein. Laut der Anklage der Staatsanwalt soll sie dem Sexualverbrecher über Jahre minderjährige Mädchen zugeführt haben.

Er wisse nicht viel über den Fall, behauptete der US-Präsident, aber: “Ganz ehrlich: Ich wünsche ihr alles Gute.”

Und plötzlich war er wieder da – der alte Trump, ganz ohne Maske.

Von Karl Doemens/RND