Wie tickt Kanye West? Quelle: Everett Collection/Shutterstock.Com

Kanye West: Seine Haltung, seine Ziele, seine Unterstützer

Dass Kanye West Präsident der Vereinigten Staaten wird, glaubt niemand. Trotzdem ist dem Rapper die Aufmerksamkeit sicher. Ein Blick auf seine politische Haltung, seine Unterstützer und seine Ziele.

Was will Kanye West und wofür steht er? Diese Frage stellen sich viele, seit der Rapper Anfang Juli mehr oder weniger überraschend angekündigt hat, für die US-Präsidentschaftswahl kandidieren zu wollen. Eher wenig Erleuchtung brachte sein erster Wahlkampfauftritt in Charleston in South Carolina, auf dem er mit kontroversen und teils verwirrenden Aussagen für Aufmerksamkeit sorgte und schließlich beim Thema Abtreibung in Tränen ausbrach. Ein Überblick über seine politische Haltung und seine Wahlkampfthemen.

Kanye West: Sein Slogan und seine Unterstützer

Sein Slogan werde “YES!” (“JA!”) lauten, sagte West dem Magazin “Forbes”. Seine Partei nenne er “Birthday Party” – denn: “Wenn wir gewinnen, ist das ein Geburtstag für jeden.” Als wichtigsten Berater nennt er neben seiner Frau Kim Kardashian (39) den Tesla-Gründer Elon Musk (49). “Ich habe ihm angeboten, der Kopf unseres Raumfahrtprogramms zu werden”, so West in dem Interview.

Kanye West: Sein Verhältnis zu Donald Trump

Einst ein glühender Verfechter Donald Trumps, geht der US-Rapper inzwischen auf Distanz. Dem “Forbes“-Magazin sagte er, dass er nicht länger den jetzigen Präsidenten unterstützen werde. Doch seine Kandidatur könnte gerade dem umstrittenen Republikaner nützen. In den USA nähren sich Befürchtungen, dass die Kandidatur des schwarzen Kanye West eher dem demokratischen Gegner Trumps, Joe Biden, Stimmen kosten und die Gruppe der schwarzen Wähler in den USA spalten könnte. Diese Ansicht verurteilte West bei der Veranstaltung in North Charleston allerdings als rassistisch.

Kanye West: Seine Meinung zu Abtreibungen

Abtreibung, das ist ein Thema, das West bewegt. Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt brach er in Tränen aus, als er erzählte, sein Vater habe seine Mutter dazu bringen wollen, ihn abzutreiben. “Meine Mutter hat mein Leben gerettet”, sagte er. Abtreibung sei auch zwischen ihm und seiner Frau Kim Kardashian ein Thema gewesen. Kanye West deutete an, er sei zunächst gegen die Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes, Tochter North, gewesen. “Ich hätte meine Tochter fast getötet”, sagte er. West sagte zwar, dass Abtreibungen seiner Meinung nach legal sein sollten, doch sprach er sich für zusätzliche Anreize für diejenigen aus, die sich für ein Kind entschieden: “Jeder, der ein Baby hat, bekommt eine Million Dollar oder so was.”

In dem Interview mit “Forbes” kritisierte West außerdem die Organisation Planned Parenthood, die sich in den Vereinigten Staaten für das Recht auf Abtreibungen einsetzt. Sie sei von den “White Supremacists” etabliert worden, um “Teufelsarbeit” zu machen.

Kanye West: Was er über Corona denkt

In Sachen Corona haben Wests Äußerungen verschwörungstheoretische Tendenzen. Dabei hatte sich West eigenen Angaben zufolge im Februar selbst mit dem Coronavirus infiziert. Gegenüber dem “Forbes”-Magazin äußerte er seinen Argwohn gegenüber einem potentiellen Impfstoff. “Sie wollen Chips in uns einpflanzen”, sagte der Rapper. Das geschehe, um zu verhindern, dass die Menschen die Tore zum Himmel passieren könnten.

Kanye West und Black Lives Matter

Kanye West nahm selbst an den Black-Lives-Matter-Protesten nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd teil. Wie CNN berichtete, spendete er außerdem für die Opfer von Polizeigewalt zwei Millionen Dollar und werde Floyds Tochter den Universitätsbesuch finanzieren. “Auf meiner To-do-Liste steht das Ende der Polizeigewalt”, erklärte West im Interview mit dem “Forbes”-Magazin. “The police are people too” – Polizisten sind auch Menschen, schränkte er jedoch ein. Sein Ziel sei es, Gesetze abzuschaffen, die nicht sinnvoll seien.

Kanye West und die Freiheitskämpferin Harriet Tubman

Für Kritik sorgen Aussagen Wests über die schwarze Freiheitskämpferin Harriet Tubman. Die habe in Wirklichkeit nie Sklaven befreit: “Sie hat sie nur für andere Weiße arbeiten lassen”, sagte West in North Charleston. Tubman wurde um 1820 auf einer Plantage in Maryland geboren. Sie ging in die Geschichtsbücher ein, weil sie ab 1850 als Untergrundkämpferin unzähligen anderen Sklaven zur Freiheit verhalf. Später engagierte sie sich in der Frauenbewegung.

Kanye West: Seine politischen Ziele

Wofür er in Sachen Außenpolitik steht, da ist sich West noch nicht sicher – er möchte sich eigenen Worten zufolge lieber auf Amerika konzentrieren. Klar ist: Den umstrittenen zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der verbietet, das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen einzuschränken, will West behalten. Der Rapper fürchtet, dass sonst ausländische Länder die USA versklaven könnten, wie er dem “Forbes”-Magazin sagte. Eine genaue Vorstellung scheint West auch darüber zu haben, wie er das Weiße Haus in Zukunft organisieren möchte: wie in Wakanda, dem geheimen Land im Film Black Panther.

Bei der Wahl im November tritt der republikanische Präsident Trump voraussichtlich gegen den designierten Kandidaten der Demokraten, Joe Biden, an. Dass Kanye West als unabhängiger Kandidat tatsächlich ernsthaft bei der Wahl mitmischen könnte, wird für ausgeschlossen gehalten.

RND mit dpa

 

 

Von Alina Stillahn/RND