Donnerstag , 1. Oktober 2020
In Hongkong gerät die politische Freiheit immer heftiger unter Beschuss. Doch auch weltweit gibt es Forschern der Uni Würzburg zufolge immer weniger funktionierende Demokratien. Quelle: Alda Tsang/SOPA Images via ZUMA

Forscher: Weltweiter Rückgang von funktionierenden Demokratien

Politikwissenschaftler der Uni Würzburg sehen Demokratien weltweit auf dem Rückzug. Nur 83 von 179 untersuchten Ländern stufen die Forscher als Demokratien ein. Die meisten davon seien jedoch „defekte Demokratien“, die auch autokratische Züge tragen.

Würzburg. Demokratien als Regierungsform haben nach Einschätzung von Würzburger Politikwissenschaftlern aus historischer Sicht ihren Zenit vorerst überschritten. 83 der untersuchten 179 Länder weltweit sind nach der „Demokratiematrix“ Demokratien, wie die Uni Würzburg am Dienstag mitteilte. Dabei gebe es deutlich weniger funktionierende Demokratien (37) als sogenannte defekten Demokratien (46). Solche Demokratien weisen Defizite auf, ohne alle demokratischen Merkmale abzuschaffen.

Weltweit gebe es eine Entwicklung hin zu Mischformen von Demokratien und Autokratien, in denen die jeweiligen Aspekte unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Den 83 Demokratien stünden 55 autokratische Systeme gegenüber, die sich wiederum in 21 harte und 34 moderate Autokratien aufteilen. Zudem gebe es noch 41 hybride Regime, die sowohl demokratische als auch autokratische Elemente verbinden. Die aktuelle „Demokratiematrix“ zeige in vielen Ländern eine „Dynamik der De-Demokratisierung“, die Länder seien aber nur selten komplett in Autokratien zerfallen.

Spannend ist laut den Wissenschaftlern der Blick auf die Bevölkerungszahlen: Während defizitäre Demokratien mit 25,7 Prozent die häufigste Herrschaftsform weltweit sind, leben dort nur 13,3 Prozent der Weltbevölkerung.

RND/epd