Sonntag , 20. September 2020
Der wegen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen angeklagte 93 Jahre alte ehemalige SS-Wachmann (l) und sein Anwalt Stefan Waterkamp warten auf den Beginn der Verhandlung. Der in Hamburg lebende Angeklagte war nach Angaben der Staatsanwaltschaft als junger Mann von August 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig im Einsatz. Quelle: Axel Heimken/dpa-Pool/dpa

Verteidigung fordert Freispruch für ehemaligen SS-Wachmann

Die Verteidigung des ehemaligen KZ-Aufsehers Bruno D. fordert einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen vor und fordert drei Jahre Haft. Der Angeklagte blieb in seinen letzten Worten bei seiner Ansicht, dass er nicht freiwillig den Dienst auf dem Wachturm absolviert habe.

Hamburg. Im Strafverfahren gegen den ehemaligen SS-Wachmann Bruno D. hat die Verteidigung am Montag Freispruch gefordert. Sein Mandant habe damals seinen Dienst als SS-Wachmann nicht als Teilnahme an einem Verbrechen erkannt, sagte Rechtsanwalt Stefan Waterkamp vor dem Landgericht Hamburg. Zudem sei 1944/45 Widerstand etwas anderes gewesen als heute. Der Angeklagte muss sich wegen seiner früheren Tätigkeit als SS-Wachmann im KZ Stutthof (bei Danzig) verantworten. Ihm wird Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen vorgeworfen.

Der Angeklagte selbst nutzte die Möglichkeit des letzten Wortes und entschuldigte sich in einem kurzen Statement bei “allen, die durch diese Hölle des Wahnsinns gegangen sind”. Er blieb bei seiner Ansicht, dass er nicht freiwillig den Dienst auf dem Wachturm absolviert habe. Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden.

RND/epd