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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hält eine Rede beim G20-Gipfel Quelle: Ukraine Presidency/Planet Pix vi

„Russland wird uns nicht brechen“: Selenskyj beschwört Durchhaltewillen der Ukraine – und will Krim befreien

Kiew. Neun Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Widerstandsgeist seines Landes beschworen. „Wir haben neun Monate lang einen umfassenden Krieg überstanden, und Russland hat keinen Weg gefunden, uns zu brechen. Und es wird keinen finden“, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner abendlichen Videoansprache. „Wir müssen so weitermachen wie jetzt gerade, in Einigkeit und gegenseitiger Hilfe.“

Russland war am 24. Februar in das Nachbarland einmarschiert. Selenskyj sagte, wie schwierig die Wiederherstellung der Strom- und Wasserversorgung nach dem schweren Raketenangriff vom Mittwoch sei. „Russland will nicht nur, dass die Ukrainer ohne Strom und Wärme sind“, sagte er in Kiew. „Die Terroristen wollen uns voneinander isolieren und dafür sorgen, dass wir einander nicht spüren.“

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Die Angriffe auf zivile Ziele seien „die Rache derjenigen, die verloren haben“, sagte der Präsident. „Sie wissen nicht, wie man kämpft. Das Einzige, was sie tun können, ist zu terrorisieren. Ob Energieterror, Artillerieterror oder Raketenterror - dazu ist Russland unter seiner derzeitigen Führung heruntergekommen.“ Nur die Befreiung des gesamten Landes und verlässliche Sicherheitsgarantien könnten die Ukrainer dauerhaft vor der Bedrohung durch Russland schützen.

Krim-Befreiung weiterhin Kriegsziel

Unterdessen erklärte Selenskyj, trotz westlicher Skepsis an einer Befreiung der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim als Kriegsziel festzuhalten. Das sagte er der britischen Zeitung „Financial Times“ nach Angaben vom Donnerstag. „Ich kann verstehen, dass jeder verwirrt ist in dieser Lage und was aus der Krim wird“, wurde er zitiert.

„Wenn uns jemand einen Weg aufzeigt, wie die Besetzung der Krim mit nicht-militärischen Mitteln beendet werden kann, dann werde ich sehr dafür sein“, sagte Selenskyj der Zeitung. Wenn ein Vorschlag aber bedeute, dass die Krim besetzt und Teil Russlands bleibe, „sollte niemand darauf seine Zeit verschwenden. Das ist Zeitverschwendung.“

Westliche Unterstützer der Ukraine gehen davon aus, dass diese irgendwann die von Russland seit dem 24. Februar besetzten Gebiete sowie den Donbass zurückerobern kann. Sie sind aber vorsichtiger bei der Krim: Die Halbinsel sei für Moskau strategisch und symbolisch so wichtig, dass eine Eskalation des Krieges zu befürchten sei.

Bei Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew im Frühjahr zu Beginn des Krieges stand im Raum, die Frage der Zugehörigkeit der Krim auf einige Jahre zu vertagen. Bestärkt durch ihre militärischen Erfolge verfolgt die Kiewer Führung nun aber das Ziel, alle abgetrennten Gebiete der Ukraine zurückzuerobern.

RND/dpa