Montag , 5. Dezember 2022
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Ein Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn steht an einem Bahnhof. Quelle: Moritz Frankenberg/dpa/Symbolbil

Verbraucherschützer mahnen: Deutschlandticket muss einfach zu erwerben sein

Berlin. Verbraucherschützer und Fahrgastvertreter fordern eine breitere Beteiligung von Verbänden an den Vorbereitungen für das geplante bundesweite Ticket im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Ausgestaltung des ÖPNV im Sinne der Verkehrswende sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehöre, dass auch beim Ausbau des Angebots Verbraucherbedürfnisse stärker eingebracht werden. „Dafür fordern wir einen Runden Tisch.“

Einbezogen werden sollten auch andere Vertreter wie Jugend-, Senioren- und Behindertenverbände, forderten der vzbv, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Verbraucherinteressen dürften nicht unter die Räder kommen. Unter anderem müsse das künftige Deutschlandticket für alle einfach zu erwerben sein.

Starttermin des 49-Euro-Tickets noch offen

Das bundesweit nutzbare Ticket für Busse und Bahnen im Nahverkehr mit einem Einführungspreis von 49 Euro im Monat soll im neuen Jahr kommen und an die beliebten 9-Euro-Tickets aus dem Sommer anknüpfen. Der Starttermin ist noch offen. Vorgesehen ist von Bund und Ländern ein digital buchbares Angebot. Viele Modalitäten sind noch zu klären.

Die VCD-Vorsitzende Kerstin Haarmann sagte: „Das beste Ticket nützt nichts, wenn es den Leuten schwergemacht wird, sich eines zu kaufen.“ Der Zugang müsse daher so einfach wie möglich gestaltet werden - mit wenigen Klicks zum Onlineticket und einfacher Buchung am Automaten oder Schalter.

Ticketkauf soll barrierefrei sein

Der Vorsitzende von Pro Bahn, Detlef Neuß, mahnte unter anderem auch rasche Klärungen zur Mitnahme von Fahrrädern, Kindern, weiteren Personen und Hunden an. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, sagte der „Bild“-Zeitung, es sei wichtig, dass die Online-Formulare barrierefrei seien. „Außerdem sollten diese Abos nicht nur online abgeschlossen werden können, sondern auch am Ticket-Schalter oder in den Kundenzentren. Das ist wichtig für alle Menschen, die aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zum Internet haben.“

Der Deutsche Städtetag rechnet nicht mit einer baldigen Einführung des 49-Euro-Tickets. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der „Rheinischen Post“ (Freitag): „Die gedeckelten Mittel für das Ticket reichen nicht, um es bundesweit zu starten und die Einnahmeverluste der Verkehrsunternehmen auszugleichen.“ Bund und Länder müssten nun zusagen, „dass sie die realen Ticket-Kosten tragen. Wenn der Topf von drei Milliarden Euro jährlich alle ist, müssen sie nachschießen“, forderte Dedy.

Umfrage: Jeder Dritte fühlt sich nicht gut an Bus und Bahn angebunden

30 Prozent der Menschen in Deutschland fühlen sich an ihrem Wohnort einer Umfrage zufolge nicht gut mit Bus und Bahn angebunden. Dabei stört sie vor allem die Taktung: 35 Prozent der Befragten sind der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Kantar zufolge mit der Zahl der Abfahrten an der nächsten Haltestelle unzufrieden. „Hier haben wir einen wichtigen verkehrspolitischen Hebel identifiziert, wie Bund und Länder im Rahmen der bestehenden Infrastruktur das Angebot für die Menschen direkt verbessern können“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz Pro Schiene.

Der Lobby-Verband hatte die Erhebung gemeinsam mit dem BUND und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Auftrag gegeben. Mit der Entfernung zur nächsten Haltestelle sind die allermeisten Teilnehmer (85 Prozent) der am Freitag vorgestellten Umfrage zufrieden.

64 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Zahl der Abfahrten an der nächsten Haltestelle in den vergangenen fünf Jahren nicht verändert habe, 14 Prozent sprachen von einer Verschlechterung des Angebots. „Für das Gelingen der Mobilitätswende bedarf es dringend einer Angebotsoffensive im öffentlichen Personennahverkehr“, sagte die Geschäftsführerin beim BUND, Antje von Broock. „Den Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr zu stärken, bedeutet die Klimaziele ernst zu nehmen.“

Auf die Frage, ob ihnen ausreichend sichere Radwege zur Verfügung stehen, antworteten 47 Prozent der Befragten mit „ja“. 21 Prozent gaben an, nie Fahrrad zu fahren. Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahren stellten 38 Prozent keine Veränderung bei der Sicherheit auf dem Rad fest, 28 Prozent fühlen sich sogar unsicherer.

RND/dpa