Mittwoch , 23. September 2020
Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Hinweisschild mit der Aufschrift “Kirchenaustritte” hängt vor der Rechtsantragsstelle im Oberlandesgericht. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Kirchensteuer muss weg

Durch den pandemiebedingten Konjunktureinbruch sind auch die Einnahmen der Kirchen kräftig gesunken. Das sollte Anlass sein, endlich über alternative Finanzierungsquellen nachzudenken. Dass der Staat für die beiden christlichen Kirchen das Geld eintreibt, ist ohnehin nicht länger zu rechtfertigen, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.

Berlin. Auch die beiden christlichen Kirchen leiden unter der Pandemie. Gottesdienste sind seit der Lockerung der Beschränkungen zwar wieder möglich, doch die Einnahmen sind eingebrochen. Da die Kirchensteuer der Mitglieder an die Einkommen gekoppelt ist, fehlen zig Millionen. Das Loch ist sogar noch größer als nach der Finanzkrise 2008/2009. Die Klagen sind groß, schließlich haben die Kirchen in den vergangenen Jahren dank der boomenden Konjunktur und der damit verbundenen hervorragenden Beschäftigungslage so viel Geld eingenommen wie nie zuvor.

Immer mehr Austritte

Die jetzige Krise sollte Anlass genug sein, endlich über Alternativen zur Kirchensteuer nachzudenken. Mit den Babyboomern geht bald eine zahlungskräftige Generation von Gläubigen in Rente, zudem sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder kontinuierlich. Auch angesichts dieser Tatsache ist immer weniger zu rechtfertigen, warum eigentlich der Staat, der im Grundgesetz die Religionsfreiheit garantiert, für die christlichen Kirchen über die Finanzämter Abgaben eintreibt.

Es ist im Interesse der Kirchen selbst, neue Modelle zu finden. Vorschläge gibt es genug, etwa ein reines Spendenmodell oder ein weiterentwickeltes Beitragssystem, um die Einnahmen auf eine langfristig stabile Grundlage zu stellen.

Regelrecht absurd ist hingegen der Vorschlag des linken Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow, der die Kirchensteuer durch eine Kultursteuer für alle Bürger ersetzen will. Eine derartige Staatsfinanzierung wäre nicht nur ein glatter Verstoß gegen das Grundgesetz, denn dort ist eine “Staatskirche” ausgeschlossen. Religion prägt unsere Kultur. Aber sie ist nicht die Kultur, sondern Privatsache.

Von Tim Szent-Ivanyi/RND