Dienstag , 29. September 2020
Menschen nehmen mit Plakaten an einer Protestveranstaltung zur Unterstützung von Gouverneur Furgal teil. Quelle: Igor Volkov/AP/dpa

Russland: Tausende bei Massenprotesten im Fernen Osten

Im Osten Russlands protestieren erneut Tausende gegen die Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal. Er soll an einem Mord vor 15 Jahren beteiligt gewesen sein. Die Menschen kritisieren den Einfluss Moskaus in den Regionen.

Chabarowsk. Tausende Menschen haben im Fernen Osten Russlands abermals gegen die Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal demonstriert. Zwischen 15.000 und 50.000 Menschen sollen sich im Zentrum der Großstadt Chabarowsk versammelt haben und bis zum Rathaus marschiert sein, berichteten lokale Medien am Samstag.

Offizielle Zahlen sind nicht bekannt. Es habe jedoch keine Festnahmen in der Stadt mit rund 600.000 Einwohnern gegeben, hieß es. Auch in anderen Städten der Region an der chinesischen Grenze seien Hunderte Menschen auf die Straße gegangen.

Proteste kritisieren Einfluss aus Moskau

Hintergrund ist die Festnahme von Furgal vor zwei Wochen. Die Ermittler werfen dem Politiker der nationalistischen Partei LDPR vor, an einem Mord vor rund 15 Jahren beteiligt gewesen zu sein. Er bestritt alle Vorwürfe, muss aber für mindestens zwei Monate in Untersuchungshaft in Moskau bleiben.

Die für die Region ungewöhnlichen Massendemonstrationen halten seit der Festnahme an. Es sind die größten Proteste seit Jahren, bei denen die Menschen vor allem den Einfluss Moskaus in den Regionen kritisieren. Furgal hatte vor knapp zwei Jahren den Kandidaten der Kremlpartei Geeintes Russland bei der Wahl überraschend geschlagen und den Posten des Gouverneurs übernommen.

Behörden warnen vor Terrorgefahr

Die anhaltenden Proteste machen vor allem die Behörden nervös. Der Bürgermeister mahnte die Bewohner vor dem Protest, wegen der hohen Ansteckungsgefahr durch die Corona-Pandemie zu Hause zu bleiben.

Zudem warnte der Inlandsgeheimdienst FSB vor angeblicher Terrorgefahr. Er habe bereits einen Anschlag vereitelt. Ein Mann habe demnach geplant, Sprengsätze an vielbesuchten Orten in Chabarowsk zu zünden.

RND/dpa