Sonntag , 20. September 2020
Ein Bauarbeiter telefoniert an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2: Die US-Regierung will Sanktionen wegen der Pipeline ausweiten. Quelle: Dmitry Lovetsky/AP/dpa

EU-Außenbeauftragter kritisiert US-Sanktionen gegen europäische Unternehmen

Immer wieder erheben die USA Sanktionen gegen europäische Unternehmen. Jüngstes Beispiel ist die Drohung, die Sanktionen wegen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auszuweiten. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borell kritisiert das scharf.

Brüssel. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat scharfe Kritik an der aktuellen US-Sanktionspolitik geübt. „Ich bin tief besorgt über die zunehmende Anwendung oder Androhung von Sanktionen gegen europäische Unternehmen und Interessen“, teilte der Spanier am Freitagabend mit. Man sehe diesen Trend, wenn es um den Iran, Kuba, den Internationalen Strafgerichtshof oder jüngst um die Gaspipeline-Projekte Nord Stream 2 und TurkStream gehe.

„Die Europäische Union lehnt den Gebrauch von Sanktionen gegen europäische Unternehmen, die rechtmäßige Geschäfte ausüben, grundsätzlich ab“, erklärte Borrell. Man sei sogar der Auffassung, dass die extraterritoriale Anwendung von Sanktionen gegen internationales Recht verstoße. „Europäische Politik sollte hier in Europa und nicht von Drittstaaten bestimmt werden“, sagte Borrell.

Neue Sanktionen wegen Nord Stream 2

Die EU sei bei politischen Differenzen in der Außen- und Sicherheitspolitik immer bereit zum Dialog. Dieser könne aber nicht unter der Androhung von Sanktionen stattfinden.

Als ein Hintergrund der scharfen Worte von Borrell gilt die am Mittwoch ausgesprochene Drohung der US-Regierung, die Sanktionen wegen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 noch einmal auszuweiten. Sie könnten ausländische Unternehmen treffen, die an dem Leitungsprojekt von Russland nach Deutschland beteiligt sind.

Empört ist die EU auch darüber, dass US-Sanktionsdrohungen gegen ausländische Unternehmen den Fortbestand des internationalen Atomabkommens mit dem Iran gefährden.

RND/dpa