Dienstag , 22. September 2020
Passanten mit Schutzmasken gehen an einer Werbetafel vorbei: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Israel so hoch wie nie zuvor, die Regierung hat einen Wochenend-Lockdown beschlossen. Quelle: Oded Balilty/AP/dpa

Coronavirus in Israel: Regierung beschließt Lockdown an Wochenenden

Nach Lockerungen Ende Mai steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Israel wieder an. Die Regierung hat jetzt einen Lockdown beschlossen, der nur am Wochenende gilt. So soll sich die Wirtschaft von den Folgen des ersten Lockdowns erholen.

Tel Aviv. Nach einem starken Anstieg der Corona-Infektionen setzt die israelische Regierung erneut auf Lockdown-Maßnahmen. Wie die Regierung in der Nacht auf Freitag beschloss, gelten diese Regelungen künftig an Wochenenden im gesamten Land.

Geschlossen bleiben müssen dann etwa Geschäfte, Einkaufszentren, Freiluftmärkte, Friseure, Büchereien, Museen und Touristenattraktionen. Ausgenommen bleiben Lebensmittelläden und Apotheken. Ab kommendem Wochenende sollen dann auch die Strände geschlossen bleiben. Ausgangsbeschränkungen soll es nicht geben, dafür gelten jedoch wieder Einschränkungen für Versammlungen.

Die Maßnahmen sollten am Freitagnachmittag in Kraft treten. Sie bedürfen nach Angaben der Regierung noch der Billigung durch das Parlament.

Neuinfektionen am Mittwoch auf Rekordhoch

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus war am Mittwoch in Israel auf ein Rekordhoch gestiegen. Dem Gesundheitsministerium zufolge wurden 1780 Fälle gemeldet. In Deutschland lag diese Zahl zuletzt bei etwa 400. Deutschland hat neun Mal mehr Einwohner als Israel.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zu Beginn der Pandemie mit strikten Maßnahmen wie einem Lockdown und Ausgangsbeschränkungen auf die Krise reagiert. Mitte Mai lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen in dem Land im niedrigen zweistelligen Bereich.

Nach umfassenden Lockerungen schnellen die Zahlen jedoch seit Ende Mai in die Höhe. Netanjahu steht zunehmend unter Druck. Die Folgen des ersten Lockdowns setzen der Wirtschaft des Landes schwer zu, die Arbeitslosigkeit liegt bei 21 Prozent.

Generellen Lockdown verhindern

Netanjahu sagte zu Beginn der Kabinettssitzung am Donnerstagabend, es werde alles unternommen, um einen generellen Lockdown zu verhindern. Aber: „Es bleiben nicht viele Möglichkeiten, es ist keine normale Situation.“

Beschlossen wurde bei der Sitzung auch, dass Versammlungen von mehr als zehn Personen in geschlossenen Räumen und mehr als 20 Personen im Freien künftig untersagt sind. Ob sich dies auch auf Religionsgemeinschaften bezieht, konnte vorerst nicht geklärt werden, wie unter anderem die „Times of Israel“ berichtete.

Über Schließung von Schulen wird noch beraten

Zu den beschlossenen Maßnahmen zählt auch die Schließung von Fitnessstudios. Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen oder zur Lieferung nach Hause anbieten. Ministerien schließen für den Publikumsverkehr, Kontakte sind demnach nur noch online möglich.

Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz wollten dem “Times of Israel”-Bericht zufolge am Wochenende über mögliche Schließungen von Schulen und Lehranstalten beraten.

RND/dpa