Sonntag , 1. November 2020
Außer Atem: Es läuft derzeit nicht gut für US-Präsident Donald Trump – hier am Mittwoch nach der Landung auf dem Rasen des Weißen Hauses. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Trump wechselt Wahlkampfmanager: Ein Präsident im Panikmodus

Weniger als vier Monate vor der US-Wahl feuert Donald Trump seinen Kampagnenmanager. In einer neuen Erhebung liegt der Republikaner elf Prozentpunkte hinter dem Herausforderer Joe Biden. Ob die Personalie an dem Negativtrend etwas ändert, erscheint fraglich.

Washington. Bei der ersten Kundgebung nach der Pandemiepause in Oklahoma war die Halle nur halb voll. Der nächste Auftritt in New Hampshire wurde bei schönem Wetter wegen eines angeblichen “schweren Sturms” abgesagt. Der Parteitag im August in Florida muss wegen der dramatischen Corona-Zahlen in dem Bundesstaat bei 35 Grad und hoher Gewitterwahrscheinlichkeit teilweise draußen stattfinden. Es läuft derzeit nicht gut für Donald Trump. Also feuert er – seinen Kampagnenmanager.

“Ich freue mich, mitteilen zu können, dass Bill Stepien zum neuen Kampagnenmanager befördert wurde“, gab der US-Präsident die Personalie bekannt. Im zweiten Satz vermerkte er lapidar, dass er seinen bisherigen Wahlkampfchef Brad Parscale zum Beauftragen für die Datenstrategie degradiert.

Der 2,03 Meter große Hüne mit dem rötlichen Hipster-Bart war eine markante Figur in Trumps Orbit. Als Entwickler einer Website wurde er 2004 von dem Milliardär angeheuert, verantwortete 2016 die ebenso erfolgreiche wie skrupellose Facebook-Kampagne und organisierte seit 2018 mit einer Kriegskasse von derzeit 300 Millionen Dollar, Hunderttausenden Freiwilligen und einem unschätzbaren Datensatz die Wiederwahl des Präsidenten.

Doch die erscheint knapp vier Monate vor dem Urnengang zunehmend fraglich. Zwar behauptet Trump: “Diese Wahl ist einfacher zu gewinnen als die letzte. Unsere Umfragewerte steigen schnell, die Wirtschaft erholt sich, und bald werden Impfungen und Medikamente entwickelt.” Doch die Realität sieht anders aus.

Seit Wochen führt sein Herausforderer Joe Biden in den Umfragen. Am Donnerstag veröffentlichte das wirtschaftsnahe “Wall Street Journal” seine jüngste Erhebung, derzufolge inzwischen 51 Prozent der Wähler für Biden und nur noch 40 Prozent für Trump stimmen wollen. Angesichts des Wahlsystems der USA sind nationale Zahlen nur begrenzt aussagekräftig. Doch sie illustrieren den klaren Abwärtstrend.

Offenbar hat der Präsident den selbstbewussten Parscale, der bei Kundgebungen öfter vor Trump sprach, mit einer privaten Firma lukrative Nebengeschäfte betrieb und zuletzt sogar selbst in einem Werbespot auftauchte, als Sündenbock ausgemacht. Dabei schätzt er den aggressiven, ausländerfeindlichen und bisweilen apokalyptischen Ton seines Mitarbeiters eigentlich sehr.

Aber dessen vollmundige Ankündigung von “mehr als 800.000 Anmeldungen” für die Kundgebung in Tulsa, zu der am Ende nur 6200 Hardcore-Fans erschienen, hatte Trump viel Spott eingebracht. Und das kann der Mann im Weißen Haus gar nicht vertragen. Zudem gab es in der Parteiorganisation offenbar Verärgerung darüber, dass Parscale den Wahlkampf im Wesentlichen vom Pool seines Anwesens in Fort Lauderdale aus steuerte.

Sein Nachfolger, der 42-jährige Stepien, kommt eher aus dem klassischen Politikbetrieb. Er hatte den früheren republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, beraten. Im Zuge des Bridgegate-Skandals, bei dem Christie durch die grundlose Teilschließung einer Brücke vor den Toren Manhattans ein tagelanges Verkehrschaos inszenierte, um einem demokratischen Bürgermeister zu schaden, verlor Stepien 2013 seinen Job.

Drei Jahre später hatte er aber ein Comeback bei der Trump-Kampagne, deren Vizechef er zuletzt war. Er gilt als Vertrauter von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner.

Ob die Personalie allerdings eine Trendwende für den Präsidenten bringt, ist fraglich. Der wirkliche Kampagnenmanager habe nämlich pausenlos Zugang zum Oval Office, schreibt Mike Allen, der renommierte Chef der Nachrichtenseite Axios: “Es ist natürlich Donald Trump.”

Von Karl Doemens/RND