Donnerstag , 13. August 2020
Ministerpräsident Pedro Sánchez nahm ebenfalls an der Trauerzeremonie zum Gedenken an die Corona-Opfer auf dem Armeria-Platz im Madrider Königspalast teil. Quelle: Pool/EUROPA PRESS/dpa

Bewegender Trauerakt: Spanien nimmt Abschied von 28.400 Corona-Toten

Spanien hat wie nur wenige Länder Europas unter der Corona-Krise gelitten. Mit einer großen und sehr bewegenden Trauerfeier hat das Land nun den Opfern der Pandemie gedacht.

Madrid. Mit einer großen Trauerfeier und vielen Tränen hat Spanien Abschied von seinen mehr als 28.400 Opfern der Corona-Pandemie genommen. König Felipe VI. und 400 Gäste, darunter auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, gedachten am Donnerstag der Opfer und dankten allen, die das Land während der Pandemie am Laufen hielten – vor allem dem Gesundheitspersonal. Der König erinnerte vor allem an die vielen “älteren Opfer, die den Lauf unserer Geschichte verändert und die Grundlage für unser demokratisches Zusammenleben gelegt haben”. Er spielte damit auf die Rückkehr Spaniens zur Demokratie nach dem Ende der Franco-Diktatur ab 1975 an. “Dieser Akt kann den Schmerz aber nicht lindern”, betonte der Monarch auf dem Armería-Platz vor dem Königlichen Palast.

Spanier und ihre Gäste vereint in Trauer

Spanien hätte kaum einen symbolträchtigeren Tag für den zentralen Trauerakt wählen können, zu dem neben von der Leyen unter anderem auch EU-Ratschef Charles Michel, EU-Parlamentspräsident David Sassoli, Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus angereist waren. Einen Tag vor dem EU-Gipfel, bei dem es aus Sicht der südlichen EU-Länder nicht nur um 750 Milliarden an Hilfen in der Corona-Krise sondern auch um die Zukunft Europas geht, standen die Spanier und ihre Gäste als Europäer in Trauer vereint zusammen. Von der Leyen schrieb auf Twitter: Der gemeinsam empfundene Schmerz habe eine einende Wirkung und sie vertraue darauf, dass “wir alle gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden”.

Regierungschef Sánchez fordert Solidarität von EU-Partnern

Optimisten könnten das als gutes Vorzeichen für einen Gipfelerfolg werten. Aber dafür müssten sich auch die “Sparsamen Vier” – Schweden, Dänemark, die Niederlande und Österreich – erweichen lassen und das Portemonnaie öffnen. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez fordert von den EU-Partnern Solidarität. “Ohne Einheit wird es keine Erholung geben”, warnt er immer wieder.

Von der Leyen, Felipe, Königin Letizia, Kronprinzessin Leonor (14), Infantin Sofía (13), Sánchez und zahlreiche weitere Teilnehmer der Trauerzeremonie legten zu den Klängen von Johannes Brahms („Geistliches Lied“) weiße Rosen an einer Votivflamme in der Mitte des Platzes nieder. Nicht wenige hatten dabei Tränen in den Augen, wie das spanische Fernsehen zeigte. „Das war der bewegendste Moment des Aktes“, kommentierte die Nachrichtenagentur Europa Press.

Spanien dankt auch Gesellschaft für ihre Verdienste

Mit dem Staatsakt wollte die Regierung nicht nur der Toten gedenken und sich beim Gesundheitspersonal bedanken, sondern auch die Verdienste der gesamten spanischen Gesellschaft in der „sehr schwierigen Zeit“ der Pandemie und des strengen Lockdowns würdigen. Die Spanier seien sehr diszipliniert gewesen, betonte Felipe.

Ungeachtet des großen Aufgebots an Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland nahmen die Betroffenen die Hauptrollen ein. Vor Felipe durften der Bruder eines in Madrid mit Covid-19 gestorbenen Journalisten sowie die Krankenschwester aus Barcelona, Aroa Lopez, sprechen. “Es waren sehr harte Zeiten, wir fühlten uns so machtlos und wir wurden alle von einem schrecklichen Gefühl der Ungewissheit ergriffen”, sagte sie.

Bürgerin wirft dem Staat falsches Handeln vor

Vor dem Palast fanden sich am Morgen nur wenige Schaulustige ein. Viel zu früh am Morgen, jammerte ein Verkäufer spanischer Flaggen. Die Putzfrau Rosa fand es gut, dass die Toten geehrt werden. Aber der Staat habe in der Krise ziemlich versagt. “Ich hatte Covid, habe mich aber nicht ins Krankenhaus getraut, denn da brach ja gerade alles zusammen”, sagte sie. Sie habe zu Hause auf dem Fußboden gelegen und kaum noch Luft bekommen. “Bei den Nottelefonen ging niemand dran und in einem Gesundheitszentrum haben sie mir die Tür vor der Nase zugeschlagen”, erzählt die 37-jährige Mutter von zwei Kindern. Ein Mann mit Hund schreit seine Wut heraus: “Ich habe jetzt keine Arbeit mehr und da drinnen feiern sie!”

RND/dpa