Dienstag , 22. September 2020
“A Surge of Power (Jen Reid) 2020” des britischen Bildhauers Marc Quinn: Die Statue wurde am Donnerstagmorgen von der Stadt Bristol wieder abgebaut. Quelle: Ben Birchall/PA Wire/dpa

Black-Lives-Matter-Proteste: Bristol entfernt Statue von Aktivistin

Anfang Juni hatten Aktivisten in Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston abgerissen. Am selben Standort errichtete der Künstler Marc Quinn die Skulptur einer Demonstrantin der Black-Lives-Matter-Proteste. Die Stadt Bristol hat sie nur 24 Stunden später entfernt.

In der englischen Hafenstadt Bristol ist die Skulptur einer Black-Lives-Matter-Demonstrantin abgebaut worden, die das vorherige Denkmal eines Sklavenhändlers aus dem 17. Jahrhundert ersetzt hatte. Die neue Skulptur werde im Museum aufbewahrt, bis der Künstler Marc Quinn sie abhole oder an die Sammlung stifte, teilte der Stadtrat von Bristol am Donnerstag mit.

Der Abtransport der Quinn-Statue erfolgte nur 24 Stunden, nachdem sie errichtet worden war. Die Kosten für den Abbau soll der Künstler tragen, berichtete BBC Bristol.

Es gehe nicht darum, das Abbild der Demonstrantin Jen Reid aus dem öffentlichen Raum zu nehmen, sagte der Bürgermeister Marvin Rees mit Blick auf die Entscheidung – sie sei eine sehr beeindruckende Frau –, sondern es gehe darum, die Statue eines in London lebenden Künstlers zu beseitigen, der sie ohne Erlaubnis in Bristol aufgestellt habe. Die Anwohner müssten entscheiden, was künftig auf den leeren Denkmalsockel komme.

Aktivisten rissen Colston-Statue nieder

Anfang Juni hatte Bristol Schlagzeilen gemacht, als Demonstranten und Aktivisten die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel holten und in den Stadthafen warfen. Am Mittwochmorgen hatten Aktivisten eine Skulptur des Bildhauers Quinn auf den vakanten Sockel gestellt, die das Abbild der Demonstrantin Reid darstellte.

Diese war auf dem Sockel stehend fotografiert worden, nachdem die Colston-Figur heruntergeholt worden war. Die Aktion war eine Reaktion auf die Debatte über Rassismus und Sklaverei gewesen, die nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd in US-Polizeigewahrsam ausgebrochen war.

Erlöse spenden

Der Künstler Marc Quinn und die von ihm abgebildete Aktivistin Jen Reid sagten, dass sämtliche Erlöse aus dem Verkauf der Statue an Stiftungen gespendet werden, die sich für eine bessere Einbindung der Geschichte des Sklavenhandels an britischen Schulen einsetzen. Quinn soll bereits im Vorfeld gesagt haben, dass seine Skulptur nicht dauerhaft an dem Standort bleiben solle.

“Ob sie nun einen Tag, eine Woche oder einen Monat dort stehen bleibt, wichtig ist, dass sie dort stand”, sagte er. Wer ein Kunstwerk geschaffen habe, habe anschließend keine Kontrolle mehr über dessen Verbleib.

Stimmung in Bristol aufgeheizt

Bürgermeister Marvin Rees betonte, die Stadt sei derzeit von Unruhen geprägt. Nach dem Abriss der Sklavenhändlerstatue im Juni sei auch das Denkmal für einen versklavten Mann verwüstet worden. Daneben soll in Kreideschrift gestanden haben: “Richtet die Colston-Figur wieder auf, oder die Lage wird sich weiter aufheizen.”

Weil die Colston-Statue mehr als ein Jahrhundert an ihrem Platz stand, wurden Forderungen laut, dass auch die Reid-Statue länger stehen bleiben sollte. Viele Passanten machten Selfies vor dem Sockel der Statue.

RND/lhen/AP

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