Dienstag , 22. September 2020
in Mann (l) wird bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Gesundbrunnen im Rahmen einer groß angelegten Razzia gegen Tatverdächtige aus der islamistischen Szene von zwei Polizisten zu einem Polizeifahrzeug begleitet. Rund 450 Beamte seien in verschiedenen Berliner Ortsteilen im Einsatz. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Razzia in Berlin – “Aus unserem Geldwäscheparadies” fließen Gelder in den Terrorismus

In Berlin haben am Mittwochmorgen Beamte Durchsuchungen bei Verdächtigen aus der islamistischen Szene durchgeführt. Die Razzia gelte zwölf Personen, denen unter anderem Terrorismusfinanzierung vorgeworfen wird. Das teilte die Berliner Staatsanwaltschaft auf Twitter mit.

Berlin. Mit einer groß angelegten Razzia ist die Hauptstadt-Polizei am Mittwoch gegen die Islamisten-Szene in Berlin vorgegangen. Es gehe um den Verdacht der Terrorfinanzierung, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Sprecher Martin Steltner sprach von einem „Strauß von Vorwürfen“, unter anderem auch Bedrohung und Betrug. Die Durchsuchungen richteten sich gegen zwölf Verdächtige. Festgenommen wurde laut Polizei aber niemand.

Zuletzt war aufgefallen, dass sich einzelne Islamisten Corona-Soforthilfen erschlichen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft hatte damals mitgeteilt, es werde auch geprüft, ob die Gelder möglicherweise für die Finanzierung von terroristischen Aktionen verwendet werden sollten.

Laut Polizei waren seit 6.00 Uhr 450 Beamte im Einsatz. Sie durchsuchten 19 Wohnungen und Gewerberäume in vier Stadtbezirken – in Reinickendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg. Moscheen seien nicht betroffen gewesen, hieß es. Die Ermittler vollstrecken im Auftrag der Staatsanwaltschaft 20 Durchsuchungsbeschlüsse. Die Aktion war laut Polizei am Mittag noch nicht abgeschlossen. In Kreuzberg durchsuchten die Ermittler beispielsweise ein Auto mit Hamburger Kennzeichen.

2170 Islamisten in Berlin

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wertete die Durchsuchung als gutes Zeichen, die durch akribische Ermittlungen möglich geworden sei. Deutschland stehe weiter im Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Es sei kein Geheimnis, dass „aus unserem Geldwäscheparadies“ Gelder aus der organisierten Kriminalität in den Terrorismus fließen würden. „Umso wichtiger ist es, denen, die schwerste Straftaten vorhaben und unterstützen, möglichst früh auf die Füße zu treten“, erklärte GdP-Landesvize Thomas Spaniel.

Der Berliner Verfassungsschutz hat in seinem Bericht für das vergangene Jahr 2170 Menschen in Berlin als Islamisten eingestuft – 180 mehr als 2018.

RND/fw/dpa