Freitag , 25. September 2020
Kakaobohnen zum Trocknen in der Elfenbeinküste: Bekommt Deutschland ein Lieferkettengesetz? Quelle: picture alliance / Alex Duval/dp

Schokolade fürs Kind? Bitte nur, wenn sie nicht aus Kinderarbeit stammt

In der globalen Wirtschaft macht zu oft derjenige Gewinn, der wegschaut, wenn es um die Verletzung sozialer und ökologischer Mindeststandards in Entwicklungsländern geht. Damit muss Schluss sein, das haben die Minister Heil und Müller richtig erkannt. Jetzt sollte auch die Wirtschaft akzeptieren, dass wir ein Lieferkettengesetz brauchen – und zwar schnell, wie Tobias Peter kommentiert.

Berlin. Ausbeutung wird oft auch dadurch möglich, dass Menschen sich bewusst blind stellen und Verantwortung von sich wegschieben.

Das lässt sich in Deutschland daran beobachten, wie über viele Jahre mit osteuropäischen Arbeitern in unserer Fleischindustrie umgegangen worden ist. Unternehmer wie Clemens Tönnies haben ihre Produktion in einer Kette von Subunternehmen organisiert – und so getan, als hätten sie mit dem, was da passiert, nichts zu tun. Eine Farce.

Der Vorteil für die Konsumenten – und die Schattenseiten

Doch es gibt ein weiteres tiefgreifendes Problem, bei dem längst nicht alle Unternehmen und Konsumenten genau genug hinschauen. Unsere Wirtschaft funktioniert global – und das bringt viele Vorteile für den Konsumenten mit sich.

Aber wie ergeht es den Menschen auf den Kaffeeplantagen in Entwicklungsländern und in den Textilfabriken Asiens? Welche Umweltschäden verursacht der Kobalt-Abbau für unsere Handys in Afrika? Ist die Schokolade, die wir unseren Kindern schenken, womöglich mit Kinderarbeit produziert?

Wenn wir es mit dem Kampf gegen Kinderarbeit, Zwangsarbeitsverhältnisse, Hungerlöhne und Umweltzerstörung ernst meinen, dann müssen auch am Anfang globaler Lieferketten soziale und ökologische Mindeststandards gelten. Darauf müssen die deutschen Unternehmen achten.

Freiwilligkeit allein führt hier nicht zum Ergebnis. Deshalb haben Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) recht damit, auf ein Lieferkettengesetz zu dringen.

Die Idee hinter einem solchen Gesetz: Die Unternehmen sollen mit einer Sorgfaltspflicht dazu gebracht werden, Verletzungen von Mindeststandards auch am Anfang der Lieferkette zu verhindern. Dabei muss es – damit das Gesetz kein Placebo ist – auch darum gehen, dass deutsche Unternehmen haften.

Es gibt viele Bedenken in der Wirtschaft. Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) steht seit Langem auf der Bremse. Die Aufgabe der Bundesregierung ist es jetzt, sinnvolle Hinweise aufzunehmen und eine verhältnismäßige Lösung vorzulegen.

Natürlich wird es nicht darum gehen, von einem Handwerker eine Garantie zu verlangen, dass jedes von ihm verwendete Kupferkabel ohne Ausbeutung von Arbeitnehmern hergestellt worden ist. Doch gerade von großen Unternehmen kann man erwarten, dass sie alles tun, um für die Einhaltung von Menschenrechten zu sorgen.

Eine wichtige Frage für die EU

Die Bundesregierung sollte in ihrer EU-Ratspräsidentschaft alles dafür tun, um bei diesem wichtigen Thema eine gemeinsame europäische Lösung voranzutreiben. Nur: Das bisherige Fehlen einer Lösung für die EU oder auch darüber hinaus darf jetzt nicht als Ausrede missbraucht werden, gar nichts zu tun.

Es geht um nichts weiter als um die Einhaltung von Mindeststandards. So viel Vorbildcharakter sollten wir uns zutrauen. Es geht um eine einfache Maxime: Halte dich im Ausland an Standards, für die du dich auch zu Hause nicht schämen musst.

RND

 

 

Von Tobias Peter/RND