Samstag , 19. September 2020
Mevlüt Cavusoglu, Außenminister der Türkei, weist Kritik am Vorgehen der Türkei bei der Hagia Sophia zurück. Quelle: imago images/photothek

Cavusoglu weist EU-Kritik zurück: Pläne für Hagia Sophia allein Sache der Türkei

Die Türkei wandelt die Hagia Sophia von einem Museum in eine Moschee um. Die EU kritisiert die Entscheidung. Vor allem, weil das Gebäude eine so große Bedeutung für orthodoxe Christen hat. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sieht die Angelegenheit jedoch allein als Sache der Türkei.

Ankara. Die Türkei hat sich Kritik an der bevorstehenden Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee verbeten. Es sei Sache seines Landes, was aus dem spätantiken Bauwerk werde, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Dienstag zur Kritik der EU-Außenminister. Diese hatten die Moscheepläne verurteilt und die Türkei aufgerufen, ihre Entscheidung rückgängig zu machen.

Cavusoglu sagte, er weise den Begriff „Verurteilung“ zurück. Es gehe um souveräne Rechte der Türkei. Im Übrigen würden im EU-Mitgliedsland Spanien diverse ehemalige Moscheen heute als Kirchen genutzt.

Die im 6. Jahrhundert erbaute Hagia Sophia war rund 900 Jahre die Hauptkirche der orthodoxen Christenheit, bis Konstantinopel 1453 von den Türken erobert wurde, die das Gebäude in eine Moschee umwandelten. 1934 wurde die erneute Umwandlung in ein Museum beschlossen. In der kommenden Woche soll es wieder für muslimische Gebete öffnen.

Außerhalb von Gebetszeiten soll Hagia Sophia weiter offen sein für Besucher

Die türkische Religionsbehörde versicherte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, außerhalb der Gebetszeiten solle die Hagia Sophia Besuchern weiter offenstehen. Christliche Abbildungen im Inneren seien kein Hindernis für muslimische Gebete. Während der Gebete würden sie mit Vorhängen und anderen Vorrichtungen verborgen, weil bildliche Darstellungen nach islamischer Überzeugung unstatthaft sind.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sprach von einem Rückschlag. Die Türkei versuche, ihre Schwäche mit künstlicher Stärke zu drapieren und kappe ihre Bande zur westlichen Kultur und deren Werten. “Diese Entscheidung ist für uns als griechisch-orthodoxe Christen gewiss schmerzhaft, aber sie schmerzt uns auch als Weltbürger”, sagte Mitsotakis.

RND/AP