Mittwoch , 23. September 2020
Der Angeklagte wird zu Beginn des Prozesses auf einem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Der 93 Jahre alte ehemalige SS-Wachmann ist wegen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen angeklagt. Quelle: Markus Scholz/dpa/Pool/dpa

KZ-Stutthof-Prozess: Nebenkläger fordern Schuldeingeständnis

Ein 93-Jähriger muss sich für seine frühere Tätigkeit als Wachmann im KZ Stutthof bei Danzig vor einem Hamburger Gericht verantworten. Vertreter der Nebenklage forderten von dem Ex-SS-Mann nun, zu seiner Schuld zu stehen. Doch der Angeklagte bekam am Dienstag auch Respekt gezollt.

Hamburg. Im Hamburger Prozess gegen einen ehemaligen Wachmann des KZ Stutthof haben mehrere Nebenklage-Vertreter den Angeklagten zu einem Schuldeingeständnis aufgerufen. Der 93-Jährige habe zugegeben, von August 1944 bis April 1945 als SS-Mann Wachdienst in dem Lager bei Danzig geleistet zu haben, sagte Rechtsanwalt Markus Horstmann am Dienstag.

Der Angeklagte sei kein glühender Nazi gewesen, habe aber mitgemacht. “Er könnte heute sagen: Es war falsch, was ich damals gemacht habe.” Dazu habe er in seinem letzten Wort noch die Chance. “Es wäre ein großer Schritt”, sagte Horstmann. Die Staatsanwaltschaft hat bereits beantragt, den damals noch jungen Angeklagten wegen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren zu verurteilen.

Anwältin zollt Angeklagtem Respekt

Rechtsanwältin Christine Siegrot zollte dem Angeklagten Respekt dafür, dass er sich dem Verfahren gestellt und vor Gericht gesprochen habe. Angesichts der Zweifel von Gutachtern an seiner Verhandlungsfähigkeit und der Corona-Pandemie wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, sich dem Prozess zu entziehen. “Es ist erwähnenswert, dass Sie nicht auf dieses Trittbrett der Verhandlungsunfähigkeit gesprungen sind”, sagte Siegrot.

RND/dpa