Markus Söder und Angela Merkel fahren auf der Insel Herrenchiemsee mit einer Kutsche zur Kabinettssitzung, die in der Spiegelgalerie des Neuen Schlosses stattfindet. Quelle: Peter Kneffel/dpa/Pool/dpa

Merkel und Söder per Kutsche zum Schloss Herrenchiemsee

Mitglieder der Bundesregierung waren in den vergangenen Monaten schon häufiger zu Gast in Bayern. Wenn jedoch die Kanzlerin kommt, ist alles anders. Und dies nicht nur wegen der Corona-Krise.

Herrenchiemsee. Hoher Besuch im bayerischen Kabinett: Erstmals in ihrer langen Amtszeit nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag an einer Sitzung von Bayerns Ministerrat teil. Und dies nicht irgendwo, sondern in der prunkvollen Spiegelgalerie von Schloss Herrenchiemsee.

Teilnahmen an Landeskabinettssitzungen sind in Merkels Terminkalender eine absolute Ausnahme, ihr Besuch in Bayern auf Einladung von CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder zeigt die derzeit enge und gute Zusammenarbeit mit Söder.

So prunkvoll der Spiegelsaal, so angemessen auch die Fahrt zum Schloss: Mit einer gemeinsamen Schifffahrt ging es für die Kanzlerin und Söder auf die Insel. Zum Neuen Schloss gefahren sind beide mit einer Kutsche.

Thematisch ging es bei dem Arbeitstreffen im von König Ludwig II. erbauten Schloss Herrenchiemsee in erster Linie um die am 1. Juli begonnene deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Deutschland hatte den Vorsitz der 27 EU-Länder am 1. Juli für sechs Monate übernommen.

Söder stellte sich im Ringen um eine gemeinsame EU-Reaktion auf die Corona-Krise und deren Folgen klar hinter den Kurs von Merkel. “Kann dieses Europa bestehen?” sei nun eine der zentralen Fragen, sagte Söder am Dienstag zu Beginn einer Sitzung des bayerischen Kabinetts.

Söder räumte ein, während der Corona-Krise sei es phasenweise schwierig gewesen, in einem europäischen Geist zu denken. “Umgekehrt ist es umso wichtiger, dass wir das jetzt tun”, betonte er. Deshalb unterstütze man Merkels Kurs in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Europa sei in dieser schwierigen Phase wertvoll und wichtig. Merkel lotet vor einem EU-Gipfel derzeit mögliche Kompromisslinien für einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds nach der Corona-Krise aus.

Merkel war als Kind schon einmal auf dem Schloss

Merkel, die zum ersten Mal Gast in einer bayerischen Kabinettssitzung war, sagte zu Söder: “Ich danke für den Sinn für Premieren.” Sie freue sich, nun auch ins Schloss hineinzudürfen. Sie sei nämlich schon einmal hier gewesen, im Alter von sieben Jahren. “Meine Eltern hatten mit meiner Hamburger Großmutter eine Reise nach Bayern gemacht. Die Großmutter wollte Bayern sehen, und mein Vater sollte sie kutschieren.”

Im Schloss auf dem Parkett hätte man aber damals “Hausschuhe” anziehen müssen. Ihre Eltern hätten dann entschieden, dass die Kinder nicht mit ins Schloss sollten. Die Kinder hätten mit ihrer Großmutter “in der Hitze vor dem Schloss” sitzen müssen, während die Eltern das Schloss im Inneren besichtigen konnten.

Wenige Tage später kam der Mauerbau. Der Rest ihrer Kindheit habe stattgefunden, ohne dass sie Bayern besuchen konnte.

RND/dpa/fw

1