Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut bei einer Pressekonferenz zu Markus Söder. (Archivfoto) Quelle: imago images/photothek

Söder und Merkel in der Kutsche: Versöhnungsangebot im Erbfolgestreit

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat die nächste Inszenierung angesetzt: eine Kutschfahrt mit Angela Merkel. Es ist ein kabarettreifes Versöhnungsangebot der CSU an die Kanzlerin, kommentiert Daniela Vates. Den nächsten Streit hat Söder allerdings in der Union wohl auch nicht mit ihr, sondern mit den Interessenten für eine Kanzlerkandidatur.

Berlin. Endlich ist es mal ein bisschen romantisch bei CDU und CSU. Markus Söder hat Angela Merkel zu einer Kutschfahrt vor Schlosskulisse eingeladen. So bewegen sich sonst Hochzeitspaare fort, Touristen oder die Queen – aber nun eben auch mal der bayerische Ministerpräsident und die Kanzlerin.

Ein ironischer Hinweis auf Merkels Nein zu Kaufprämien für die Autoindustrie, die Söder so gerne gehabt hätte, war das wohl eher nicht. Schon eher war es ein kabarettreifes Versöhnungsangebot an eine Kanzlerin, der Söder und seine Partei noch vor Kurzem Staatsversagen vorgeworfen hat.

Der inszenierungsbewusste Ministerpräsident allerdings ist mit vollem Ernst bei der Sache. Er umarmt Bäume, wenn die Grünen in den Umfragen Furore machen. Und weil Merkel sich als beliebter herausgestellt hat als die AfD, gibt’s jetzt ein bisschen Tändelei vor Postkartenkulisse mit königlich-bayerischen Requisiten.

Das mag auch langfristig gedacht sein: Der Kanzlerkandidat der Union steht noch nicht fest. Am besten würden CDU und CSU wohl weiter mit Angela Merkel an der Spitze abschneiden. Da kann es nicht schaden, wenn die Erbfolgeassoziation durch Bilder geweckt, bestätigt oder sogar zementiert wird, die privater wirken als die strengen Auftritte bei gemeinsamen Pressekonferenzen.

Angela I. und Markus I. geben sich die Ehre. Aristokratenflair hat magische Anziehungskräfte.

CDU und CSU haben für den Moment ihre gegenseitigen Feindseligkeiten weitgehend eingestellt. Die nächste Auseinandersetzung steht wohl nicht zwischen Söder und Merkel bevor, so gesehen ist die Kutschfahrt einigermaßen gefahrfrei. Den nächsten Kampf wird Söder mit dem CDU-Parteivorsitzinteressenten, dem er die Kanzlerkandidatur streitig macht, austragen – um sie selbst zu übernehmen oder einem anderen anzutragen.

Spätestens dann ist wieder eine Kutschfahrt fällig.

Von Daniela Vates/RND