Dienstag , 29. September 2020
Eine Prostituierte hält in der Herbertstraße in Hamburg ein Schild mit der Aufschrift "Der Staat fickt uns, aber er zahlt nicht". Sie demonstriert mit anderen Frauen für die Öffnung der Bordelle auf St. Pauli. Diese sind zur Eindämmung der Corona-Pandemie momentan geschlossen. Quelle: Markus Scholz/dpa

“Wie das Salz in der Suppe”: Prostituierte fordern Wiedereröffnung von Bordellen

In Hamburg haben Prostituierte und Betreiber für die Wiedereröffnung von Bordellen demonstriert. Mit Schildern wie „Wir sind Hygieneprofis“ machten die Demonstranten auf ihre Lage Aufmerksam. Die Sexarbeit drohe aufgrund der Corona-Auflagen in die Illegalität abzurutschen.

Hamburg. Prostituierte und Bordell-Betreibende aus ganz Deutschland haben am Samstag (11. Juli) in Hamburg für die Wiedereröffnung von Bordellen demonstriert. Sie fühlten sich in der Corona-Krise alleingelassen, sagte Johanna Weber, politische Sprecherin des Bundesverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen. Während Friseure, Kosmetikerinnen und Masseure längst wieder arbeiten dürften, drohe Prostituierten die Arbeit in der Illegalität.

An der Demo auf der Reeperbahn nahmen rund 400 Menschen teil. Sie hielten Plakate in die Höhe mit Aufschriften wie: „Sexarbeit darf nicht durch Corona in die Illegalität abrutschen“ und „Wir sind Hygieneprofis“.

Sexarbeit in der Schweiz wieder erlaubt

Die Sexarbeiterinnen und -arbeiter hätten sehr lange viel Verständnis für die Corona-Beschränkungen aufgebracht, doch so langsam schwinde die Geduld, so Weber, die seit 27 Jahren in Hamburg als Prostituierte arbeitet. Das habe auch damit zu tun, dass in vielen Nachbarländern erotische und sexuelle Dienste bereits wieder erlaubt seien. „In der Schweiz ist Prostitution seit vier Wochen wieder erlaubt und es hat seitdem keine Corona-Fälle im Zusammenhang mit Bordell-Besuchen dort gegeben.“

„St. Pauli ohne Prostitution ist nicht St. Pauli. Prostitution ist Teil unserer Gesellschaft und ist so wichtig wie das Salz in der Suppe“, hieß es weiter. Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen bundesweit in der Sex-Branche arbeiten. Im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes, das im Juli 2017 in Kraft trat, hatten sich bis Ende 2018 rund 32.800 Menschen offiziell angemeldet. Mit dem Gesetz sollen Prostituierte besser geschützt und Kriminalität bekämpft werden.

RND/epd