Samstag , 26. September 2020
Die sudanesische Übergangsregierung bei ihrem Amtseid. Quelle: Mohamed Khidir/XinHua/dpa

Sudan stellt weibliche Genitalverstümmelung unter Strafe

Das grausame Ritual der Genitalverstümmelung von Frauen soll im Sudan ein Ende haben. Das Land stellt derartige Eingriffe fortan unter Strafe. Neun von zehn Frauen sind in dem afrikanischen Staat von dieser Praxis betroffen.

Berlin. Der Sudan hat die Genitalverstümmelung von Frauen verboten. Wie unter anderem der “Spiegel” unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP berichtet, hat die höchste Institution des Landes, der Souveräne Rat, ein solches Gesetz ratifiziert.

Menschen, die diesen Eingriff bei Frauen vornehmen, erwarten laut dem Bericht fortan bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe. Verantwortliche Krankenhäuser und ähnliche Einrichtungen müssen im Falle dessen damit rechnen, geschlossen zu werden.

Sudan: Genitalverstümmelung betrifft neun von zehn Frauen

Das Justizministerium erklärte demnach, das traditionelle Ritual “untergrabe die Würde von Frauen”. Laut den Vereinten Nationen wurde die Praxis im Sudan bislang bei neun von zehn Frauen angewandt. Wie der für die Menschenrechte der Frauen kämpfende Verein “Terre des Femmes” angibt, sind in dem afrikanischen Staat 87 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 betroffen.

Bei dem Eingriff werden alle sichtbaren Genitalien von Frauen weggeschnitten. Das betrifft sowohl Schamlippen als auch Klitoris. Oft werden die Frauen nicht betäubt. Zudem wird der Eingriff meist unter unhygienischsten Bedingungen vorgenommen. Die Folgen können verheerend sein. Psychische, physische und sexuelle Beschwerden begleiten die betreffenden Frauen oft ein Leben lang. Im schlimmsten Fall führt die Genitalverstümmelung zum Tod.

Der Sudan befindet sich derzeit in einer mindestens dreijährigen Umbruchsphase. Nach dem Sturz des langjährigen Diktators Umar Al-Baschir im April 2019 wurde im September ein Souveräner Rat gebildet. Er besteht aus elf Mitgliedern, die teils dem Militär und teils der Zivilgesellschaft angehören. Mit Ablauf von drei Jahren soll es Wahlen geben.

RND/cz