Montag , 28. September 2020
Südkoreaner trauern um den Bürgermeister von Seoul. Quelle: Seoul Metropolitan Government vi

Trauer und offene Fragen nach Tod von Seouler Bürgermeister Park

Park Won Soon setzte sich für die Rechte von Frauen ein. Doch belästigte er gleichzeitig seine Sekretärin und andere Frauen sexuell? Mit ihm stirbt einer der bekanntesten Politiker Südkoreas und ein möglicher künftiger Präsidentschaftskandidat.

Seoul. Nach dem mutmaßlichen Selbstmord des Bürgermeisters der südkoreanischen Hauptstadt Seoul rätselt die Nation über die Hintergründe. Medienberichte, wonach eine Sekretärin Park Won Soon zuvor wegen sexueller Belästigung angezeigt hatte, wollte die Polizei am Freitag nicht bestätigten.

In einer Abschiedsbotschaft entschuldigte sich der Bürgermeister bei “allen”. In dem Schriftstück, das bei ihm Zuhause gefunden und im Fernsehen gezeigt wurde, schrieb er weiter: “Ich danke jedem, der in meinem Leben gewesen ist.”

Parks Leiche war in der Nacht zum Freitag auf einem bewaldeten Hügel im Norden der südkoreanischen Hauptstadt entdeckt worden, nachdem mehr als sieben Stunden lang mit einem Großaufgebot nach ihm gesucht worden war.

Parks Tochter hatte die Polizei am Donnerstagnachmittag gerufen, nachdem er ihr eine Sprachnachricht hinterlassen hatte, die nach einer Abschiedsbotschaft klang. Es gebe keine Zeichen eines Verbrechen, hieß es von der Polizei, die aber die Todesursache nicht mitteilen wollte.

Park war ein einflussreicher und enorm populärer Politiker in Südkorea. Er galt sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei von Staatschef Moon Jae In bei den Wahlen 2022.

Einen Namen gemacht hatte sich Park als Menschenrechtsanwalt und hatte dabei 1998 als erster in Südkorea für eine Mandantin eine Verurteilung wegen sexueller Belästigung erwirkt. Damals vertrat er eine Forschungsassistentin, die sexuelle Avancen eines Professors an der Nationalen Universität von Seoul abgewehrt hatte und dann entlassen wurde.

Als Bürgermeister der 10-Millionen-Metropole Seoul, die er seit 2011 regierte, installierte er eine eigene Beauftragte für Geschlechterparität und setzte sich für die Sicherheit von Frauen im urbanen Raum und günstige Wohnungen für alleinerziehende Mütter ein.

Selbst beschrieb sich Park einmal als “feministischer Bürgermeister” und präsentierte sich als Unterstützer der “MeToo”-Bewegung.

Sein Tod schockte vor diesem Hintergrund ebensoviele Menschen wie die gegen ihn gerichteten Vorwürfe. Die Polizei wollte nur bestätigen, dass es eine Anzeige gegen ihn gegeben habe, aber nicht deren Inhalt.

Zwei Fernsehsendern zufolge hatte eine Sekretärin von Park die Anzeige am Mittwochabend gestellt. Demnach hätten auch mehrere andere Mitarbeiterinnen im Seouler Rathaus unter Belästigung durch Park gelitten.

Die Vorwürfe warfen auch Fragen auf, ob es angemessen sei, Park mit öffentlichen Trauerbezeugungen zu würdigen. In einem Krankenhaus in Seoul wurde am Freitag seine Leiche aufgebahrt. Für fünf Tage können Menschen ihm dort die letzte Ehre erweisen. Die Beerdigung soll kommende Woche stattfinden.

RND/cle/AP