Dienstag , 29. September 2020
Eine Frau hält bei einer Protestaktion gegen das russische Verfassungsreferendum am 1. Juli ein Schild mit der Aufschrift "Nein". Russische Sicherheitsbehörden haben nun die Wohnungen und Büros mehrerer Aktivisten der Kampagne durchsucht. Quelle: imago images/ITAR-TASS

Russische Polizei durchsucht Wohnungen von Oppositionsaktivisten

Sicherheitskräfte in Russland haben die Büros und Wohnungen oppositioneller Aktivisten durchsucht. Die Aktivisten waren Teil der Kampagne gegen das Verfassungsreferendum in der vergangenen Woche. Auch die Wohnung einer Abgeordneten wurde durchsucht.

Moskau. Russische Sicherheitskräfte haben Wohnungen und Büros mehrerer Oppositionsaktivisten durchsucht.

Die Ermittler nahmen sich am Donnerstag die Wohnung der Abgeordneten Julia Galjamina und die Büros und Wohnungen von Aktivisten vor, die Teil der “Nein!”-Kampagne gegen das Verfassungsreferendum vom 1. Juli gewesen waren.

Ermittler durchsuchten außerdem die Büros des Mediums MBK Media und der Gruppe Offenes Russland, beide finanziert von dem Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski.

Offizielle Stellen begründeten die Durchsuchungen mit einer neuen Ermittlung zu Chodorkowskis Unternehmen Yukos. Aktivisten von MBK und Offenes Russland sagten dagegen, die Durchsuchungen seien eine Reaktion auf ihre Kampagne gegen das Referendum.

Für den kommenden Mittwoch hatten Aktivisten Proteste gegen die Verfassungsänderungen in Moskau und St. Petersburg geplant. Die Behörden haben sie aber verboten und das mit den Auflagen in der Coronavirus-Pandemie begründet.

Bei dem Verfassungsreferendum hatten fast 78 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Änderungen gestimmt, die Präsident Wladimir Putin zwei weitere Amtszeiten als Staatschef erlauben – bis 2036.

Chodorkowski zog nach zehn Jahren Gefängnis in Russland nach London. Er war nach Anschuldigungen verurteilt worden, die allgemein als Vergeltungsschlag für seine Kritik an Putins Herrschaft gewertet wurden.

RND/AP