US-Präsident Trump verharmlost die Corona-Pandemie trotz Rekordwerte von 60.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages - er will nach den Sommerferien die Schulen wieder öffnen. Quelle: imago images/UPI Photo

60.000 Neuinfektionen – Trump dringt auf Öffnung der Schulen

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus stiegen in den USA weiterhin dramatisch an. Der Rekordwert liegt aktuell bei 60.000 neuen Fällen innerhalb eines Tages. Präsident Trump will dennoch mit aller Macht zurück zur Normalität - auch beim Schulbetrieb.

Washington. Trotz dramatisch hoher Coronavirus-Fallzahlen will US-Präsident Donald Trump Druck auf die US-Bundesstaaten ausüben, damit dort die Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen. "Wir wollen, dass unsere Schulen im Herbst geöffnet sind", sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) bei einem Runden Tisch zu dem Thema im Weißen Haus.

Das sei sehr wichtig sowohl für das Land als auch für das Wohlbefinden von Schülern und deren Eltern. “Wir werden Druck auf die Gouverneure und alle anderen ausüben, die Schulen zu öffnen.”

Der Republikaner verharmloste die Corona-Krise erneut und warnte davor, Schulen aus politischen Erwägungen geschlossen zu halten. Er spielte damit auf demokratische Gouverneure von Bundesstaaten an, die sich in großer Zahl gegen Trumps Drängen auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität wehren.

60.000 Neuinfektionen an einem Tag

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA ist seit Mitte Juni infolge der Lockerung der Corona-Auflagen dramatisch angestiegen. Die USA verzeichneten am Dienstag nach der JHU-Statistik einen Anstieg um 60.000 neue bestätigte Fälle innerhalb eines Tages – mehr als je zuvor seit Beginn der Pandemie.

Insgesamt wurden in den USA bislang rund drei Millionen Coronavirus-Infektionen verzeichnet. Mehr als 131.000 Menschen starben nach einer Covid-19-Erkrankung.

Trump schließt erneuten Lockdown aus

Trump sagte, die Zahl der Todesfälle habe deutlich abgenommen – das ist im Vergleich zum Höhepunkt der Krise richtig. Allerdings sagte er auch, dass die Sterblichkeitsrate in den USA “die niedrigste auf der Welt” sei. Das ist nach Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) nicht korrekt: Unter den 20 am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern haben 13 Staaten eine niedrigere Sterblichkeitsrate pro 100 bestätigter Corona-Infektionen.

Trump übte scharfe Kritik an der US-Eliteuniversität Harvard, die am Montag mitgeteilt hatte, wegen des Coronavirus im Wintersemester alle Vorlesungen online abzuhalten. "Ich denke, dass sie es sich leicht machen, und ich denke, sie sollten sich schämen", sagte Trump. Der Präsident schloss einen erneuten Lockdown wegen der Pandemie aus. "Wir bleiben offen, wir schließen nicht."

Maskenpflicht könnte Opferzahlen deutlich reduzieren

Bis November könnten einem weithin beachteten Modell zufolge in den USA insgesamt rund 208.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sein. Wenn 95 Prozent der Menschen in der Öffentlichkeit stets Masken trügen, könnte die Zahl der Opfer bis November aber mit rund 163.000 deutlich geringer ausfallen, erklärten die Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle.

Zuletzt hatten die Forscher rund 175.000 Tote prognostiziert. Im September und Oktober sei zu Beginn der Grippesaison mit einem Anstieg der Todeszahlen zu rechnen, hieß es.

US-Immunologe sehr besorgt

Der Immunologe Anthony Fauci – der zur Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses gehört – hatte sich am Montag angesichts des raschen Anstiegs der Corona-Neuinfektionen im Süden und Westen des Landes besorgt gezeigt. Die gegenwärtige Lage sei “wirklich nicht gut” und erfordere “sofortiges” Handeln, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in einem Live-Chat.

Die USA hätten die Pandemie nie unter Kontrolle gebracht und steckten daher immer noch in der ersten Welle des Virus, sagte Fauci. Vergangene Woche hatte der Experte bei einer Anhörung im Kongress gewarnt, ohne entschlossenes Gegensteuern könne die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in den USA bald auf bis zu 100.000 steigen.

Trump: “Virus wird verschwinden”

US-Präsident Trump zeigte sich indes zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft bald wieder erholen wird. “Das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden”, sagte der Republikaner am Mittwoch dem Fernsehsender Fox Business. Schon zuvor hatte er immer wieder darauf verwiesen, dass sich die hohen Infektionszahlen durch eine erhöhte Zahl der Testungen erklären ließen.

Gegenwind bekommt Trump von den Demokraten, die dem Republikaner vorwerfen, vor dem Virus kapituliert zu haben. Mehrere demokratische Senatoren kündigten vergangene Woche an, das Verhalten der Regierung in einer parteiübergreifenden Kommission untersuchen lassen zu wollen.

US-Wirtschaft schwer getroffen

Auch in Trumps engerem Umfeld hat der Umgang mit dem Coronavirus nach einem CNN-Bericht für Diskussionen gesorgt. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Stabschef Mark Meadow hatten zuletzt eine schnellere Öffnung der Wirtschaft angestrebt und haben nun erhebliche Bedenken mit Blick auf die Wiederwahl im November, wie der Sender mit Verweis auf nicht namentlich genannte Trump-Berater berichtete.

Andere Regierungsmitglieder, darunter Vizepräsident Mike Pence, konzentrierten sich hingegen stärker auf die Eindämmung der Pandemie.

Trump hatte sich während seiner Präsidentschaft immer wieder mit der gut laufenden US-Wirtschaft gebrüstet. Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft jedoch empfindlich getroffen. Mehr als 45 Millionen Menschen verloren seit Mitte März mindestens zeitweise ihren Job – so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Die Arbeitslosigkeit lag im Mai bei 13,3 Prozent.

RND/dpa