Da sprachen sie noch: US-Präsident Donald Trump (r) und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - der US-Sonderbeauftragte für Nordkorea verlangt einen neuen Gesprächspartner auf nordkoreanischer Seite. Quelle: -/YNA/dpa

Atomstreit mit Nordkorea: US-Gesandter will neuen Gesprächspartner

Erst signalisierte der US-Sonderbeauftragte für Nordkorea Dialogbereitschaft im Atomstreit. Dann stellte er eine Bedingung auf: Die USA seien zu weiteren Verhandlungen mit Nordkorea bereit, wenn das Land einen neuen Unterhändler ernenne. Stephen Biegun ist offenbar unzufrieden mit seiner nordkoreanischen Amtskollegin.

Seoul. US-Vizeaußenminister Stephen Biegun hat seine nordkoreanische Amtskollegin Choe Sun Hui kritisiert. Er beschuldigte sie am Mittwoch, "in einer alten Denkweise eingesperrt" zu sein. Derartige Kritik eines Vertreters der Washingtoner Regierung ist selten, seit die USA 2018 diplomatische Gespräche mit Nordkorea über dessen Atomarsenal begannen.

Diese Gespräche liegen auf Eis und Bieguns Aussage deutet darauf hin, dass die USA kein Interesse an einer baldigen Belebung haben könnten. Biegun ist der Sondergesandte der USA für Nordkorea und Choe möglicherweise Unterhändlerin Nordkoreas bei den Atomgesprächen zwischen den beiden Staaten. Biegun besuchte am Mittwoch Südkorea.

Choe beschuldigt USA einer innerpolitischen Taktik

"Ich habe einige jüngste Presseberichte gesehen, denen zufolge die Nordkoreaner nicht bereit sind, mich bei diesem Besuch zu treffen", sagte Biegun nach Gesprächen mit Vertretern Südkoreas. "Wir haben nicht um ein Treffen mit den Nordkoreanern gebeten. Dieser Besuch dient dazu, unsere engen Freunde und Verbündeten, die Republik Korea, zu besuchen, und wir hatten eine exzellente Diskussion."

Biegun bezog sich wahrscheinlich auf Berichte nordkoreanischer Staatsmedien, denen zufolge die stellvertretende Außenministerin Choe sagte, Nordkorea werde erst weiter verhandeln, wenn die USA ihre “feindselige” Politik aufgäben. Die an den Atomgesprächen beteiligte Choe beschuldigte Washington auch einer “oberflächlichen Taktik”, bei der Nordkorea für innenpolitische Zwecke benutzt werde.

Biegun fordert neuen Gesprächspartner

Biegun kritisierte Choe und den ehemaligen nationalen Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, sie konzentrierten sich "nur auf das Negative und was unmöglich ist, statt kreativ darüber nachzudenken, was möglich ist". Diese Aussage in einem schriftlichen Statement war nicht in seinen vorangegangenen mündlichen Kommentaren zu Journalisten enthalten, die fast identisch mit dem schriftlichen Statement waren.

“Wenn der Vorsitzende Kim einen neuen Gesprächspartner für mich ernennt, der bereit und ermächtigt ist, zu diesen Themen zu verhandeln, werden sie uns zu genau diesem Zeitpunkt bereit vorfinden”, sagte Biegun über den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Biegun sprach in Südkorea mit Außenministerin Kang Kyung Wha und dem Nuklearbeauftragten Lee Do Hoon.

Verhandlungen seit vergangenem Jahr still

Trump hat sich dreimal mit Kim getroffen. Die Verhandlungen sind jedoch seit Februar vergangenen Jahres kaum vorangekommen. Analysten glauben, dass Nordkorea erst nach den US-Präsidentenwahlen im November wieder ernsthafte Gespräche führen wird. Gleichzeitig versuche die Führung des Landes, Südkorea unter Druck zu setzen, weil es die von den USA vorangetriebenen Sanktionen gegen Nordkorea einhält.

RND/AP