Dienstag , 29. September 2020
Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat des Kreises Gütersloh. Quelle: Federico Gambarini/dpa

“Stigmatisierung satt” – Gütersloher Landrat schreibt Brandbrief an Länderchefs

Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) macht seinem Ärger über Reisebeschränkungen für Bewohner seines Kreises Luft. Die Menschen würden wegen der Corona-Infektionen bei Tönnies ausgegrenzt und stigmatisiert, schreibt er an die Regierungschefs von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Adenauer: „Sie haben das satt.“

Gütersloh. Mit einer E-Mail an die Ministerpräsidenten der Küstenländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein hat sich Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer für die Aufhebung der Reisebeschränkungen für Menschen aus seiner Heimat eingesetzt.

“Die Menschen aus dem Kreis Gütersloh sind die Ausgrenzung und Stigmatisierung satt”, schrieb der CDU-Politiker laut Mitteilung an Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) sowie dessen schleswig-holsteinischen Amtskollegen Daniel Günther (CDU).

Auch wenn der Kreis Gütersloh offiziell nicht mehr als Corona-Risikogebiet gilt, können Reisende von dort vorerst nicht ohne weiteres nach Schleswig-Holstein kommen, wie das Kieler Gesundheitsministerium bereits am Dienstag klarstellte. Wer sich in dem Kreis in der Zeit aufhielt, in der dieser als Risikogebiet eingestuft war, dürfe weiterhin nur mit negativem Testergebnis einreisen oder müsse unverzüglich in Quarantäne.

Zudem müsse sich derjenige beim Gesundheitsamt melden. Erst wenn der letztmalige Aufenthalt in einem Risikogebiet länger als 14 Tage zurückliegt, hat das dem Kieler Gesundheitsministerium zufolge keine Auswirkung mehr auf die Einreise nach Schleswig-Holstein.

“Die Landesregierung überprüft zur Zeit, ob und wie eine Änderung der Quarantäne-Verordnung zu Samstag möglich ist”, kündigte der stellvertretende Regierungssprecher Eugen Witte am Mittwoch an.

Das Land Niedersachsen lässt die Reisebeschränkungen für Menschen aus dem Landkreis Gütersloh entgegen einer ersten Einschätzung bereits am kommenden Sonnabend auslaufen. Die entsprechende Verordnung werde geändert, teilte die Staatskanzlei am Mittwoch in Hannover mit.

Damit können Menschen aus dem Kreis Gütersloh schon von diesem Wochenende an wieder in Niedersachsen Urlaub machen, ohne sich vorher auf Corona testen zu lassen – zum Beispiel an der Nordsee, im Harz oder in der Lüneburger Heide.

Ursprünglich wollte die rot-schwarze Landesregierung das “Beherbergungsverbot” turnusgemäß erst am kommenden Montag aufheben.

Die Regierung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gehe nicht mehr von einem erhöhten Infektionsrisiko durch dort lebende Personen aus, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen: “Gäste aus Gütersloh sind wieder herzlich in Niedersachsen willkommen.”

In anderen Bundesländern dagegen waren die Beschränkungen aufgehoben worden, nachdem die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage unter den Grenzwert von 50 gesunken war.

RND/cle/dpa