Sonntag , 20. September 2020
Mitarbeiter der Bezirksregierung Detmold und von Tönnies begutachten den Fleischereibetrieb - 1000 Tönnies-Mitarbeiter wurden nach dem Corona-Ausbruch aus der Quarantäne entlassen. Quelle: Guido Kirchner/dpa

Corona-Ausbruch: Rund 1000 Tönnies-Mitarbeiter aus Quarantäne entlassen

Die Einschränkungen im Kreis Gütersloh werden nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies nicht weiter verlängert. Von den mehr als 7000 getesteten Tönnies-Mitarbeitern konnten rund 1000 die Quarantäne verlassen. Derweil erhöhen sich die Infektionszahlen im rheinischen Euskirchen.

Gütersloh, Euskirchen. Nach der gerichtlichen Aufhebung der Corona-Beschränkungen wird es keine neuen Maßnahmen für den Kreis Gütersloh geben. Von den mehr als 7000 getesteten Mitarbeitern des Fleischbetriebs Tönnies wurden nach Angaben des Kreises rund 1000 aus der Quarantäne entlassen.

Unterdessen wurden Corona-Infektionen in einer Freikirchen-Gemeinde in Euskirchen bekannt. Mehrere hundert Gemeindemitglieder sollen demnach in Quarantäne sein.

Nachbesserungsbedarf beim Hygienekonzept

Laut Kreis Gütersloh bewegt sich der Inzidenz-Wert, also die Zahl der Neuinfizierten unter 100.000 Einwohnern in einer Woche, bei rund 35 Infektionen. Auch die Zahl der Corona-Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden, liege zurzeit bei 22 Fällen. „Wir sind damit auf gutem Weg“, erklärte der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU).

Wann Fleischbetrieb Tönnies die Arbeit aufnehmen könne, darüber könne er keine Prognose abgeben, sagte Adenauer. Oberste Priorität habe der Gesundheitsschutz der Menschen. Mit dem Betrieb sei der Kreis in konstruktiven Gesprächen. Bei dem eingereichten Hygienekonzept gebe es erheblichen Nachbesserungsbedarf. Bislang gilt die Stilllegung des Betriebs bis zum 17. Juli.

Spielhallenbetreiber hatte gegen Lockdown geklagt

Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte in einem Eilbeschluss am Montag die verlängerten Corona-Einschränkungen des Kreises Gütersloh außer Kraft gesetzt. Das Gericht stufte die Verlängerung des sogenannten Lockdowns mit weitreichenden Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Kultureinrichtungen, Bars und Sporteinrichtungen im gesamten Kreis als unverhältnismäßig ein.

Geklagt hatte ein Spielhallenbetreiber. Das Land Niedersachsen kündigte an, die bestehenden Reisebeschränkungen für Menschen aus dem Kreis Gütersloh zu beenden.

Keine signifikante Verbreitung im Kreis

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Montagabend erklärt, dass das Virus sich offenkundig nicht signifikant unter der Bevölkerung des Kreises Gütersloh verbreitet. Der Inzidenz-Wert in der Gesamtbevölkerung liegt dem Ministerium zufolge ohne die Tönnies-Fälle bei 22,8 Infektionen.

Bei den Corona-Testungen in der übrigen Bevölkerung der Kreise Gütersloh und Warendorf sei zudem nur in 96 Fällen ein positives Ergebnis festgestellt worden. Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Fleischunternehmen Tönnies wurden bei dem Corona Ausbruch im Juni mehr als 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern positiv getestet.

SPD-Fraktion fordert neue Lockdown-Regeln

Die SPD-Fraktion im Landtag kritisierte, dass die Landesregierung nicht gemeinsam mit den anderen Ländern im Bund eine schnelle Modifizierung der Lockdown-Regeln umgesetzt habe. Dies wäre im Interesse vieler Menschen im Kreis Gütersloh gewesen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Christian Dahm.

Die Neujustierung der Kriterien für Corona-Schutzmaßnahmen müsse nun schnell angegangen werden. Dazu brauche es jetzt eine konsistente Teststrategie.

Corona-Ausbruch in Euskirchen

Unterdessen wurde im rheinischen Euskirchen ein weiterer Corona-Ausbruch bekannt. Rund 500 Mitglieder einer Freikirchen-Gemeinde stehen Medienberichten zufolge unter Quarantäne. Der Landrat Günter Rosenke (parteilos) hatte bereits am Freitag eine zweiwöchige Quarantäne für Mitglieder der mennonitischen Brüdergemeinde angeordnet.

Die Regeln gelten laut der Verfügung seit Samstag für alle Menschen, die an Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen teilgenommen haben sowie für alle Gemeindemitglieder und deren Haushalte. Zuvor waren Corona-Infektionen in einer zwölfköpfigen Familie festgestellt worden, die der freikirchlichen Gemeinde angehört.

RND/epd