Donnerstag , 24. September 2020
Annegret Kramp-Karrenbauer, Parteivorsitzende der CDU und Bundesministerin der Verteidigung, Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern und CSU-Chef. Quelle: imago images/Jens Schicke

Kramp-Karrenbauer und Söder wollen K-Frage entschärfen

Erst facht Markus Söder die Debatte über die Kanzlerkandidatur der Union neu an. Dann tritt er wieder auf die Bremse. Auch die CDU will kein Öl ins Feuer gießen – wie lange hält die Union das aus?

Berlin/München. CSU-Chef Markus Söder und die CDU-Spitze haben sich bemüht, die Diskussion über die Kanzlerkandidatur der Union zu entschärfen. „Klar ist, die Debatte jetzt bringt uns nichts, ganz im Gegenteil, sie wird keinem helfen“, sagte Söder am Montag vor einer Sitzung des CSU-Parteivorstands in München.

Dabei hatte er die Diskussion am Sonntag selbst angefacht. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte die Union in einer Videoschalte der engsten CDU-Spitze davor, mit Personaldiskussionen über den künftigen Parteivorsitz oder die Kanzlerkandidatur die Sommerpause zu bestimmen.

Der bayerische Ministerpräsident hatte am Wochenende im „Tagesspiegel“ gesagt, dass sich der Kanzlerkandidat der Union in der Corona-Krise bewiesen haben müsse. Wer dabei versage, habe „keinen moralischen Führungsanspruch“, sagte Söder. „Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen.“

In Teilen der CDU waren die Äußerungen hinter vorgehaltener Hand auf Kritik gestoßen.

Söder lobt Laschet

Neben NRW-Regierungschef Armin Laschet bewerben sich der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz. Laschet hat anders als Söder in der Corona-Krise einen Lockerungskurs verfolgt und ist angesichts der Infektionsausbrüche in seinem Bundesland teilweise in die Kritik geraten.

Hinzu kommt: Umfragen zufolge ist Söder der Favorit der Bürger für die Kanzlerkandidatur der Union, Laschets Beliebtheitswerte sind dagegen gesunken. Die nächste Bundestagswahl steht regulär im Herbst 2021 an.

Söder bekräftigte am Montag aber: “Mein Platz ist immer in Bayern.”

Auf wiederholte Nachfragen, ob er eine eigene Kanzlerkandidatur damit kategorisch ausschließe, ging der CSU-Chef nicht direkt ein. Andererseits betonte er nun, alle CDU-Bewerber um den Parteivorsitz seien “Topkandidaten”. Ausdrücklich lobte er Laschets Krisenmanagement als “sehr stabil und stringent”.

Der CSU-Chef widersprach dem Eindruck, er habe mit seinem Interview eine Vorauswahl unter den zur Diskussion stehenden Bewerbern um den CDU-Vorsitz treffen wollen. „Ich glaube, es ist nicht die Zeit, über Kandidaturen Einzelner zu reden“, sagte er.

Sein Beitrag sei vielmehr als Lob für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu verstehen, die sich in der Corona-Krise erneut bewiesen habe – “wie in so vielen Krisen zuvor”. Oberste Aufgabe sei es jetzt, sich um das Wohl Vieler zu kümmern und nicht um die Karrieren Einzelner.

“Wir sind zwei Schwestern”

Kramp-Karrenbauer appellierte in der CDU-Schalte nach Angaben von Teilnehmern an die Verantwortung aller Beteiligten. Es hieß, sie habe Disziplin gefordert und klar gemacht, dass sie mit den Kandidaten für den Parteivorsitz noch mal über die Abläufe bis zur Wahl reden wolle.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bemühte sich, Spekulationen über Unstimmigkeiten mit der CSU in der Frage der Kanzlerkandidatur der Union zu zerstreuen. „Wir sind zwei Schwestern“, sagte Ziemiak nach den letzten Beratungen der CDU-Spitze vor der Sommerpause. Er könne berichten, dass „die Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU lange nicht mehr so gut war wie heute“. Das liege vor allem an den beiden Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer und Söder.

Die CSU hält ihren nächsten Parteitag am 12. Dezember in Nürnberg ab – und damit nur wenige Tage nach dem Treffen der CDU mit der Wahl des neuen Parteichefs. Auf die Frage, ob diese Terminabfolge ein Zeichen für die Ambitionen Söders auf die Unions-Kanzlerkandidatur sei, antwortete Ziemiak, die Termine seien gegenseitig bekannt.

“Ich würde aber hellhörig werden, wenn der CDU-Parteitag in Nürnberg stattfinden würde”, sagte er schmunzelnd.

RND/cle/dpa