Freitag , 18. September 2020
Eine US-Militärmaschine startet von der US-Airbase Ramstein (Archivfoto). Quelle: Boris Roessler/dpa

US-Truppen in Deutschland: Bund zahlte fast eine Milliarde in zehn Jahren

Insgesamt sind knapp 35.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert, einen Teil davon will der US-Präsident nun aus der Bundesrepublik abziehen. Deutschland zahlte fast eine Milliarde in zehn Jahren für US-Truppen. Peter Beyer, Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, verteidigt die Ausgaben.

Berlin. Die Bundesregierung hat in den vergangenen zehn Jahren fast eine Milliarde Euro für die Stationierung von US-Truppen in Deutschland gezahlt.

Mit 648,5 Millionen Euro entfielen etwa zwei Drittel davon auf Zuschüsse für Baumaßnahmen und 333,9 Millionen auf sogenannte Verteidigungsfolgekosten. Dazu zählen vor allem Beihilfezahlungen an ehemalige Beschäftigte der US-Streitkräfte, die Behebung von durch US-Soldaten verursachte Schäden und die Erstattung von US-Investitionen an ehemaligen Truppen-Standorten. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold hervor.

Der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung hat die Ausgaben des Bundes für US-Truppen verteidigt. “Die Kosten von einer knappen Milliarden Euro in zehn Jahren für die Stationierung der US-Soldaten sind für Deutschland alles andere als zu hoch”, sagte der CDU-Politiker Peter Beyer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Die Präsenz von US-Truppen hat uns in den vergangenen Jahrzehnten ein hohes Maß an Sicherheit garantiert. Diese Sicherheit war und ist das Fundament für unseren wirtschaftlichen Erfolg, unseren Wohlstand, unsere Demokratie”, betonte Beyer.

Er verwies auf den Nutzen für die örtlichen Gemeinden. “Die US-Soldaten geben einen Teil ihres Solds natürlich dort aus, wo sie stationiert sind – im Südwesten Deutschlands – und sind damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region”, sagte Beyer. Der ökonomische Gewinn für die Städte und Gemeinden sei viel höher als die Kosten für die Truppenstationierung, betonte er.

Transatlantikkoordinator verteidigt Ausgaben

Zudem sei der Wert der US-Truppen in Deutschland nicht allein in Geldsummen zu ermessen. “Die Soldaten und ihre Familien sind seit Langem ein fester Bestandteil der Städte und Gemeinden, in denen sie stationiert sind. Sie würden fehlen”, sagte Beyer.

Überdies sei die US-Präsenz in Deutschland auch verteidigungspolitisch von großer Bedeutung: “Insgesamt halte ich – wie übrigens auch viele demokratische und republikanische Politiker – die geplante Reduzierung der US-Truppen in Deutschland für einen sicherheits- und bündnispolitischen Fehler”, so Beyer. “Diese eine Milliarde Euro für zehn Jahre ist unter dem Strich eine gute Investition in unsere Sicherheit”, sagte der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung dem RND.

Die USA zahlen für die Truppenstationierung ein Vielfaches von dem, was Deutschland dafür aufbringt. Das US-Verteidigungsministerium schätzt die Aufwendungen für 2020 in einem Budgetpapier aus dem vergangenen Jahr auf rund 8,125 Milliarden US-Dollar (7,234 Milliarden Euro). Das ist 61 Mal so viel wie die 132,4 Millionen Euro, die Deutschland im vergangenen Jahr gezahlt hat.

Trump begründet Abzug mit Nato-Verteidigungsausgaben

Kein anderer Truppenstandort weltweit kommt den amerikanischen Steuerzahlern teurer zu stehen. Allerdings profitieren die US-Truppen in ganz Europa und weit darüber hinaus von den Stützpunkten in Deutschland. Über Ramstein in Rheinland-Pfalz läuft die Versorgung der US-Einsätze im Irak oder in Afghanistan, im benachbarten Landstuhl steht das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

In Stuttgart befinden sich die Kommandozentralen für die US-Streitkräfte in Europa und in Afrika, das hessischen Wiesbaden beherbergt die Zentrale der US-Army in Europa und im bayerischen Grafenwöhr gibt es einen der größten Truppenübungsplätze Europas.

Insgesamt sind knapp 35.000 US-Soldaten in Deutschland. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, 9500 davon abziehen zu wollen. Er begründete den Schritt damit, dass Deutschland zu wenig für Verteidigung ausgebe.

RND/kor/dpa