Donnerstag , 13. August 2020
Ziehen Sie noch an einem Strang? FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg und Parteichef Christian Lindner?

FDP in der Krise: Wird Linda Teuteberg zum Sündenbock gemacht?

Die FDP kämpft ums Überleben. Parteichef Lindner hat an Autorität eingebüßt, aber keiner hat den Schneid, ihn herauszufordern. Muss stattdessen Linda Teuteberg den Posten als Generalsekretärin abgeben? Und: Würde das überhaupt etwas bringen?

Berlin. Man nehme wackelige Umfragewerte, einen Vorsitzenden und eine Generalsekretärin, die nicht optimal miteinander klarkommen, und eine wachsende Nervosität in der Partei: Das Ergebnis ist ein explosives Gemisch namens FDP.

4,5 Prozent, 5 Prozent und als Ausreißer nach oben auch mal 7 Prozent, das sind die Umfragewerte, mit denen die FDP es zu tun hat. Die Partei, die jetzt in einer Jamaika-Koalition regieren könnte, kämpft in der Opposition ums Überleben.

Der einstmals gefeierte Vorsitzende Christian Lindner hat – durch manch ungeschicktes Wort und durch Fehler nach der Wahl von Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten – an Autorität eingebüßt. Doch es gibt auch niemanden in der Partei, der den Schneid hätte, ihn herauszufordern.

Doch was es in der FDP gibt, ist das Gefühl, dass eine neue Dynamik gebraucht wird. So fand ein Bericht aus der “Welt” große Aufmerksamkeit, in dem es hieß, Lindner denke über eine Veränderung auf dem Generalsekretärsposten nach.

Ein Szenario sehe vor, dass Generalsekretärin Linda Teuteberg vor dem Parteitag im September ihr Amt niederlegen müsse, um den Weg für eine Neuwahl freizumachen, hieß es dort unter Berufung auf Kreise in der FDP-Spitze.

In der Bundestagsfraktion ist aufmerksam registriert worden, dass Lindner das Gerücht nicht mit aller Kraft ausgetreten hat. Haben es einige in seinem Auftrag in die Welt gebracht und mehrfach weiterverbreitet, als eine Art Versuchsballon? Oder haben jene in der Partei, die Teuteberg gern los wären, die Debatte auf eigene Initiative anonym losgetreten?

Manch einer in der FDP fühlt sich bereits an die Zustände in der Partei vor der Bundestagswahl 2013 erinnert, als die Intrige zum wesentlichen Mittel der inneren Auseinandersetzung in der FDP geworden war. Gleichzeitig ist aber wahr: Bei vielen ist die Unzufriedenheit mit der Arbeit Teutebergs als Generalsekretärin groß.

Sie sei zwar intelligent und gründlich, agiere aber im politischen Betrieb zu langsam und zögerlich. Teuteberg fehlten “die Wadenbeißer-Qualitäten”, heißt es – genau diese würden für den Job in der Opposition aber gebraucht. Die FDP erreicht zu wenig Aufmerksamkeit. Gerade in der Corona-Krise schauen die Bürger zuallererst auf die Regierung.

Wer könnte Teuteberg nachfolgen?

Bei der Frage nach potenziellen Nachfolgern wird, neben anderen, intern immer wieder insbesondere Johannes Vogel genannt. Der Renten- und Arbeitsmarktexperte der Bundestagsfraktion brächte als Generalsekretär des nordrhein-westfälischen Landesverbandes viel Erfahrung für das Wahljahr mit.

Er war schon Anfang 2019 für den Job als Generalsekretär der Bundespartei gehandelt worden, bis Lindner sich dann schließlich für Teuteberg entschied.

Auf dem Parteitag stehen eigentlich keine Personalwahlen an – Teuteberg ist, wie Lindner auch, für zwei Jahre in ihr Amt gewählt. Die Brandenburgerin gegen einen Mann aus dem Westen auszutauschen, das wäre ein schwieriges Manöver vor der Augen der Öffentlichkeit; zumal bei einer Partei, die sich schwertut, Frauen als Mitglieder und Wähler zu gewinnen.

Und auch in der FDP mahnen einige: Es dürfe niemand glauben, es ließen sich alle Probleme mal eben so durch einen Generalsekretärswechsel lösen.

Von Tobias Peter/RND