Donnerstag , 24. September 2020
Paris: Der Eiffelturm spiegelt sich in der Seine. Quelle: Ludovic Marin/AFP/dpa

Pannenhilfe in Paris: Der Staat hilft beim Flicken

Die Corona-Krise wertet das Rad in Frankreich auf, die Regierung leistet dazu mit 60 Millionen Euro ihren Beitrag. In Paris werden mittlerweile sogar Autospuren für französische Drahtesel reserviert. Das Ziel: Die Stadt der Liebe soll Europas Fahrrad-Hauptstadt werden.

Paris. Guillaume hat etwas Verspätung und wirkt außer Atem. Nicht, weil er mit dem Fahrrad zu seiner Kundin gekommen ist – das ist er gewohnt, wie ein Blick auf seine durchtrainierten Unterschenkel verrät. Er ist in Eile angesichts der unglaublich vielen Kunden, die heute noch auf ihn warten. Guillaume arbeitet für das Pariser Start-up Cyclofix, das Räder direkt vor Ort repariert.

Seit Frankreich Mitte Mai die Ausgangsbeschränkungen gelockert hat, erleben Anbieter wie er einen nie gekannten Ansturm. “Wir bekommen täglich 200 Anfragen, denen wir gar nicht sofort nachkommen können”, sagt Guillaume. Hauptgrund dafür ist eine Finanzierungshilfe des Staates: Um die öffentlichen Transportmittel zu entlasten, übernimmt der Staat Fahrradreparaturen bis zu 50 Euro. Nur die Mehrwertsteuer bezahlt der Kunde selbst. Insgesamt werden derzeit gerade 60 Millionen Euro in Anreize zum Umsatteln aufs Rad investiert.

Paris will “europäische Fahrrad-Hauptstadt” werden

Die Stadt Paris hat darüber hinaus ihre Anstrengungen in Sachen Fahrradfreundlichkeit noch verstärkt. Auf viel befahrenen Straßen wie der Rue de Rivoli entlang des Louvre wurden Autospuren für Räder reserviert. Nun kündigte die am vorigen Sonntag wiedergewählte Bürgermeisterin Anne Hidalgo 50 Kilometer neue Radwege über die rund 1000 Kilometer schon bestehenden hinaus an. Auch die Orte um Paris richteten zumindest temporär Radwege ein.

Schon in ihrer ersten Amtszeit hatte Hidalgo eine betont fahrradfreundliche Politik betrieben, um die hohe Luftverschmutzung zu verringern. Seit 2018 fördert die Stadt den Kauf eines Elektrorads mit bis zu 400 Euro. Die unteren Seineufer wurden für den Autoverkehr gesperrt, Radwege massiv ausgebaut. Hidalgo hat das Ziel ausgegeben, Paris zur “europäischen Fahrrad-Hauptstadt” zu machen. Die Folgen des Coronavirus unterstützen sie in ihrem Ziel: Zwischen März und Mai stieg die Zahl der Pariser, die das Rad nahmen, um 44 Prozent an.

Von Birgit Holzer/RND