Rom hat noch einen langen Weg vor sich: Die Zustände der Straßen sind teilweise gefährlich für Radfahrer. Quelle: Elisa Lingria/XinHua/dpa

Run in Rom: Radläden sind leer gekauft

Italiener sind bekanntlich Autoverrückte. Doch in Rom verändert sich etwas. Das Fahrrad scheint sein Schattendasein zu beenden – die Läden sind leer gekauft. Grund dafür ist eine Kaufprämie der Regierung, die wohl chaotische Zustände auf den Straßen verhindert hat.

Rom. Im autoverrückten Italien fristete das Fahrrad bisher eher ein Schattendasein. Doch das ändert sich: Dank eines Corona-Hilfspakets der Regierung sind in den vergangenen Wochen die Zweiradgeschäfte förmlich leer gekauft geworden. Grund dafür ist eine Kaufprämie von 60 Prozent des Preises bis zu einem Maximalbeitrag von 500 Euro. Die Kaufprämie gilt auch für elektrische Fahrräder und für Elektrotretroller.

Bei der Maßnahme ging es weniger um die Sorge um die Umwelt als um die Befürchtung, dass aufgrund reduzierter Transportkapazitäten der öffentlichen Verkehrsmittel Millionen Berufspendler, die vor der Pandemie Bus, Bahn oder Metro benutzt haben, nun allesamt mit ihrem Privatauto zur Arbeit fahren würden. In Städten wie Rom, Mailand oder Neapel, wo der Verkehr schon vor der Corona-Krise regelmäßig zum Erliegen kam, hätte dies unausweichlich zu einem totalen Chaos auf den Straßen führen müssen.

Gleichzeitig wird in vielen italienischen Städten der Ausbau von Fahrradwegen vorangetrieben. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen: “Wir planen die Schaffung von 35 zusätzlichen Kilometern Radweg, zusätzlich zu den gut 200 Kilometern, die bereits bestehen”, erklärt stolz Mailands Stadtrat für Mobilität, Marco Granelli.

Große Unterschiede zwischen Nord- und Süditalien

Im Vergleich zu Bologna, das vor einigen Wochen die Bereitstellung von 496 Kilometern neuer Radwege beschlossen hat, ist das eine bescheidene Zielsetzung. Städte wie Lucca, Reggio Emilia und Vicenza gelten als fortschrittliche Fahrradparadiese.

Allgemein herrscht in Italien eine tiefe Kluft zwischen Nord und Süd, was die Fahrradnutzung angeht. Die Gründe dafür sind in erster Linie topografische und klimatische: Italiens fahrradfreundlichste Städte liegen in der flachen Poebene, die Temperaturen bleiben dort im Sommer halbwegs erträglich. Rom und Neapel sind hügelig; hinzu kommt, dass in beiden Städten der Zustand des Straßenbelags stellenweise erbärmlich ist – und für Radfahrer gefährlich. Im Sommer lässt es zudem die Hitze vielen Italienern ratsam erscheinen, es im Zweifel nicht zu übertreiben mit Anstrengungen im Freien.

Von Dominik Straub/RND