Mittwoch , 12. August 2020
Joe Biden, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur und ehemaliger US-Vizepräsident, trägt vor einer Rede an der Alexis Dupont High School eine Stoffmaske. Quelle: Patrick Semansky/AP/dpa

Biden zu Rassismus: “Niemand trägt mehr Verantwortung als Trump”

Trump-Herausforderer Joe Biden beklagt, dass die USA nie ein geeintes Land gewesen seien. Einen Schuldigen für die jüngsten Spaltungen hat er auch ausgemacht: Donald Trump. Zum geschichtsträchtigen 4. Juli verschärft der US-Präsident seine Rhetorik.

Washington. Die USA haben nach Ansicht des designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten, Joe Biden, die Möglichkeit, Ungleichheiten ein für alle Mal zu überwinden. „Die amerikanische Geschichte ist kein Märchen. Sie war ein ständiges Hin und Her zwischen zwei Teilen unseres Charakters – der Idee, dass alle Männer und Frauen, alle Menschen gleich geschaffen sind, und dem Rassismus, der uns auseinander gerissen hat“, sagte Biden in einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft. Das Land habe jetzt die Chance, den Ausgegrenzten, Isolierten und Unterdrückten ihren „vollen Anteil am amerikanischen Traum“ zu geben. „Wir haben die Chance, die Wurzeln des systematischen Rassismus aus diesem Land herauszureißen“, sagte er anlässlich des Unabhängigkeitstages der USA am 4. Juli.

Der Nationaltag stand unter dem Eindruck der Corona- Pandemie und landesweiter Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Diese haben auch eine Debatte über die Erinnerungskultur des Landes entfacht. Ausgelöst worden waren sie durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz.

In einem Meinungsbeitrag für den Sender NBC News schrieb Biden, dass die USA nie ihrem Gründungsprinzip gerecht geworden seien, wonach alle Menschen gleich geschaffen sind. So steht es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Biden beklagte, dass das “Streben nach einer perfekteren Gemeinschaft” in den vergangenen Jahren aus der Bahn geworfen worden sei. “Und niemand trägt dafür mehr Verantwortung als Präsident Donald Trump.”

Der frühere US-Vizepräsident unter Barack Obama will Amtsinhaber Trump bei der Wahl am 3. November den Platz im Weißen Haus streitig machen. Derzeit sehen Umfragen den 77-Jährigen in Führung. Bis zur Wahl in vier Monaten kann allerdings noch viel passieren. Zudem hat sich bei der Wahl 2016 gezeigt, dass Umfragen auch falsch liegen können. Damals lag bei den meisten Erhebungen Hillary Clinton in Führung, die bei der Wahl dann aber Trump unterlag.

Unabhängigkeitstag: Trump plant große Feier

Sein Kontrahent plant derweil eine große Feier zum Unabhängigkeitstag. Auf seinen Auftritt mit Feuerwerk am Mount Rushmore am Freitag, sollte am Samstag ein “besonderer Abend” in Washington folgen. Nach seiner Kritik an antirassistischen Demonstranten schlug er am Samstag einen etwas anderen Ton an: “In den vergangenen Monaten ist der US-amerikanische Geist zweifelsohne durch viele Herausforderungen auf die Probe gestellt worden”, hieß es in einer Botschaft des Präsidenten zum 244. Jahrestag der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung.

Neben einem Feuerwerk war eine Militär-Flugshow über Washington D.C. geplant. Das Feiertagswochenende zum 4. Juli hatte Trump am Nationaldenkmal Mount Rushmore in South Dakota eingeläutet. Dort legte er vier Monate vor der Wahl seinen Finger in die Wunde der gespaltenen amerikanischen Gesellschaft: Wer gegen Rassismus demonstriere, der fahre eigentlich eine “Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte”, sagte er. Konkret kritisierte Trump Protestierende, die Denkmäler und Statuen niederreißen, die wiederum an Geschichte verwoben mit der Sklaverei in den Vereinigten Staaten erinnern.

“Diese Bewegung attackiert offen das Erbe jeder Person von Mount Rushmore”, beklagte Trump. Amerikanerinnen und Amerikaner sollten stolz über ihre Geschichte sprechen und sich nicht dafür entschuldigen. “Wir werden uns nicht terrorisieren lassen, wir werden uns nicht demütigen lassen und wir werden nicht eingeschüchtert werden von diesen schlechten, bösen Menschen.”

RND/dpa/AP/ka