Ein beschädigtes Schaufenster eines Bekleidungsgeschäfts nach den schweren Ausschreitungen in Stuttgart. Quelle: Silas Stein/dpa

Sachsen: Chef der Gedenkstätten wegen NS-Vergleich massiv unter Druck

Der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten hatte die Krawalle in Stuttgart mit der Reichspogromnacht verglichen. Viele fordern nun den Rücktritt von Siegfried Reiprich. Die Vorfälle in Stuttgart mit dem Ermorden, Berauben und Deportieren Tausender Juden zu vergleichen, sei zutiefst relativierend und beleidigend, sagt etwa der sächsische FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt.

Dresden. Nach einer Äußerung mit einem Bezug zur Nazizeit werden gegen den Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, immer mehr Rücktrittsforderungen erhoben.

Der 65-Jährige hatte unlängst auf Twitter die Krawalle in Stuttgart mit dem NS-Pogrom 1938 verglichen: “War da nun eine Bundeskristallnacht oder “nur” ein südwestdeutsches Scherbennächtle?”

Das sorgte bundesweit für Empörung. In der “Leipziger Volkszeitung” stellte er seine Äußerungen am Freitag als “ungeschickt” dar und räumte einen Fehler ein.

Scharfe Kritik von vielen Seiten

"Solche Ansichten äußert man nicht aus Versehen, sondern weil man sie teilt", konterte der Dresdner Linksfraktionschef Rico Gebhardt. Je früher Reiprich seinen Stuhl räume, desto besser.

FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt sagte, der Vergleich der Vorfälle in Stuttgart mit dem Ermorden, Berauben und Deportieren Tausender Juden und Oppositioneller in der Pogromnacht sei zutiefst beleidigend und relativierend.

Der Förderverein der Gedenkstätte Bautzen, die an politische Verfolgung durch Nazis und Kommunisten erinnert, warf ihm Sympathieäußerungen auch für die islamfeindliche Pegida-Bewegung vor und verlangte: Wenn Reiprich nicht unverzüglich zurücktrete, müsse man Schritte zu seiner Amtsenthebung treffen.

RND/dpa