Ein Leben in Enge: Ferkel im Stall. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Arme Schweine bleiben arm

Der Bundesrat stimmt für die Verkürzung der Zeit, die Sauen in engen Käfigen verbringen müssen. Das ist besser als die Fortsetzung des jetzigen qualvollen Zustands, kommentiert Marina Kormbaki. Von einem Systemwandel kann aber nicht die Rede sein.

Berlin. Der Kompromiss des Bundesrats zur Haltung von Sauen in Käfigen entspricht nicht den gesellschaftlichen Erwartungen. Seit Jahren greift in der Bevölkerung ein Unbehagen an den Zuständen in Ställen und Schlachthäusern um sich. Bei vielen Bürgern wächst es sich zu Abscheu und Empörung aus, seitdem die Corona-Pandemie ein Schlaglicht auf den Umgang mit Tieren und Menschen in Fleischfabriken geworfen hat.

Und was macht die Politik? Sie lässt den Moment zur Abkehr von einem System, das erst durch die massenhafte Qual von Kreaturen profitabel ist, verstreichen.

Die jetzt beschlossene Verkürzung der Haltung von Sauen im Metallkorsett stellt eine Korrektur dar. Es ist jedoch eine Korrektur in einem falschen System. Dessen fatale Beharrungskräfte zeigen sich daran, dass die kleine Korrektur erst in fast zwei Jahrzehnten voll greift.

Natürlich ist der Übergang in die Gruppenhaltung trächtiger Sauen besser als die jetzige Fixierung. Doch diesen Minimalfortschritt als Einstieg in einen Systemwandel zu preisen, wie es die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und auch die Grünen tun, befremdet.

Es geht nicht um Schrauben, es geht um Lebewesen

Wer in der Politik ist, sollte schon etwas mehr Gestaltungswillen und auch mehr ethischen Anspruch aufbringen. Es geht hier nicht um die Produktion von Schrauben. Es geht um schmerzempfindliche Lebewesen.

Haltungsbedingungen, die Tieren Leid und Bürgern Scham ersparen, kosten mehr als die jetzige peinvolle Mast. Um Verbesserungen umzusetzen, müssen die Landwirte auf die Unterstützung von Staat und Bürgern zählen können. Die Tierwohlabgabe wird daher kommen müssen.

Aber sie wird die Umbaukosten nicht decken. Wer Fleisch isst, sollte dafür auch einen ehrlichen Preis zu zahlen bereit sein. Die Deutschen geben für ihre geliebten Hunde, Katzen und Vögel mehr als 5 Milliarden Euro im Jahr aus. Die Schweine, Rinder und Hühner auf ihren Tellern sollten ihnen auch etwas wert sein.

 

Von Marina Kormbaki/RND