Samstag , 19. September 2020
Die Angeklagte hält sich vor Prozessbeginn eine blaue Mappe vor das Gesicht. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Prozessbeginn: IS-Sympathisantin legt Teilgeständnis ab

Sie soll Frauen für die Terrormiliz IS angeworben haben: In Celle hat der Prozess gegen eine IS-Sympathisantin begonnen. Die 30-Jährige legte dabei ein Teilgeständnis ab. Sie gab zu, 2014 mit ihrem Mann nach Syrien ausgereist zu sein.

Celle. Mit einem Teilgeständnis hat am Oberlandesgericht Celle am Freitag der Prozess gegen eine mutmaßliche Anwerberin von Frauen für die Terrormiliz Islamischer Staat begonnen.

Die 30 Jahre alte Deutsch-Syrerin aus Vechta in Niedersachsen gestand, 2014 mit ihrem Mann nach Syrien ausgereist zu sein. Sie bereue die Ausreise und distanziere sich vom IS.

Ihre Anwältin erklärte, für das Anwerben von Frauen aus Deutschland zur Heirat mit IS-Kämpfern durch die Angeklagte gebe es keine Belege. Ein solches sogenanntes Schwesternnetzwerk habe es nicht gegeben. Die Verteidigerin sprach von einer “politisierten Justiz”, die den bloßen Aufenthalt im Gebiet des IS kriminalisiere.

Die Anklage legt der Frau die Mitgliedschaft in der Terrormiliz sowie einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last, weil sie in Syrien über zwei Kalaschnikows und eine Handgranate verfügt haben soll. Das Ziel ihrer Ausreise sei gewesen, den bewaffneten Kampf des IS in Syrien zu unterstützen. Als Teil eines Netzwerks radikalisierter Frauen soll sie weitere Frauen in Deutschland für den IS gewonnen und in die Aktivitäten der Miliz eingegliedert haben.

Die Anklage verlas am Freitag WhatsApp-Nachrichten. Danach soll die Angeklagte andere Frauen zur Ausreise ermuntert und das Leben beim IS sowie den Tod von Kämpfern als Märtyrertum angepriesen haben. Der Frau drohen bis zu zehn Jahre Haft.

RND/dpa