Die ehemalige CDU-Landesvorsitzende in Thüringen, Christine Lieberknecht. Quelle: imago images/Jacob Schröter

Lieberknecht kritisiert Kirchen in Corona-Krise

Haben die Kirchen ihre Mitglieder in der Corona-Krise allein gelassen? Die ehemalige Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat ihre Kritik an den Kirchen bekräftigt. In Ostdeutschland seien in den vergangenen Monaten viele Senioren ohne einen kirchlichen Beistand aus dem Leben geschieden.

Hamburg. Die ehemalige Ministerpräsidentin Thüringens, Christine Lieberknecht, hat ihre Kritik an der Rolle der Kirchen in der Corona-Krise bekräftigt. “Seit Beginn der Corona-Krise starben in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern etwa 200.000 Menschen”, heißt es in einem Gastbeitrag der CDU-Politikerin für die Hamburger Wochenzeitung “Die Zeit”. Zwar habe es ein intensives Ringen von Seelsorgern, Ärzten und Heimleitungen um Beistand für Sterbende gegeben: “Dafür meine höchste Wertschätzung und Anerkennung.” Für Ostdeutschland könne sie dennoch sagen, “dass die Mehrheit trotz allen kirchlichen Einsatzes vor Ort einsam aus dem Leben schied. Musste das sein? Nein.”

“Keine Einzelfälle”

Anders, als jetzt behauptet werde, habe es sich nicht um Einzelfälle gehandelt, fügte Lieberknecht hinzu. Die ordinierte Pfarrerin hatte den Kirchen bereits vor Pfingsten Versagen während der Corona-Pandemie vorgeworfen. Jetzt verschärfte sie ihren Vorwurf: "Als ich Mitte Mai kritisierte, die Kirchen hätten beim Schutz der Schwächsten versagt, erntete ich aus meiner eigenen evangelischen Kirche helle Empörung." Kirchliche Selbstkritik sei unterblieben. "Das fand ich erstaunlich, da doch dieselben Kirchen bei anderen Themen die Politik oft kräftig kritisieren."

RND/epd