Freitag , 25. September 2020
US-Präsident Donald Trump. Quelle: imago images/UPI Photo

US-Republikaner pochen nun auf Maskenpflicht – nur ihr Präsident nicht

Nach Aussagen seiner Sprecherin hat Donald Trumps nichts gegen eine Mund-Nasen-Bedeckung, dennoch sieht man ihn eigentlich nie damit. Die Granden der Republikaner appellieren nun – anders als ihr Präsident – für das Tragen einer solchen Maske. Amerikaner könnten so Menschenleben retten, argumentieren sie.

Washington. Auch in republikanischen Kreisen ist die Botschaft allmählich angekommen: Das Tragen einer Gesichtsmaske hilft im Kampf gegen das Coronavirus. Ende der Debatte. Nur das Gesicht der Partei bildet da eine Ausnahme: der US-Präsident.

Seine Republikaner wehren sich unter dem Eindruck massiv steigender Infektionszahlen im Süden und Westen der USA gegen die Behauptung, dass das Maskentragen eher ein politisches Statement sei, wie es Donald Trump zuletzt andeutete. Der Appell der Parteigranden ist eindeutig: Amerikaner könnten mit dem Mundschutz Menschenleben retten.

Erst kürzlich forderte der republikanische Senator Lamar Alexander den Präsidenten unverblümt auf, doch mit gutem Beispiel voranzugehen und eine Maske anzulegen, und sei es nur manchmal. „Leider ist diese simple, lebensrettende Praxis zum Teil einer politischen Debatte geworden, die besagt: Wenn du für Trump bist, trägst du keine Maske. Bist du gegen Trump, tust du es“, sagte Alexander.

Kameras fingen Trump bisher nur einmal mit Maske ein

Nun ist es selten genug, dass sich Republikaner von ihrem Präsidenten loseisen. Jetzt ist aber ein Stück Stoff mit zugegebenermaßen großer Wirkung der Anlass für eine Reiberei, die Trump erst Anfang Juni befeuerte. Einige Leute trügen Masken doch nur, um ihre Ablehnung ihm gegenüber zu zeigen, sagte er dem „Wall Street Journal“.

Dabei mahnten selbst sein Vize Mike Pence und der Mehrheitsführer des von den Republikanern dominierten Senats, Mitch McConnell, zuletzt an die Bürger, Mund- und Nasenschutz zu tragen, wenn sie Abstandsregeln nicht einhalten könnten. Dies sei nicht kompliziert, schob McConnell hinterher.

Erst vergangene Woche twitterte die republikanische Abgeordnete Liz Cheney ein Foto von ihrem Vater, dem Ex-Vizepräsidenten Dick Cheney, das ihn mit einer Einwegmaske und einem Cowboyhut zeigte. Sie schrieb dazu: “Dick Cheney sagt: “Trage eine Maske“, #realmenwearmasks”. Der Hashtag lehnte sich an eine vorangegangenen Mahnung von Nancy Pelosi an, der Frontfrau der Demokraten.

Und Jacksonville in Florida, wo Trump im August seine erneute Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner annehmen soll, hat erst in dieser Woche eine Maskenpflicht für geschlossene Räume bekanntgegeben. Ob sich Trump, den Kameras bislang nur einmal mit Gesichtsmaske einfingen, sich beim Parteitag daran hält?

Mitarbeiter von Pence und Hausdiener Trumps positiv auf Corona getestet

Seine Verweigerungshaltung beim Mundschutz haben seine Mitarbeiter mit dem Argument begründet, dass er sich regelmäßig auf das neue Coronavirus testen lasse. Dies gelte auch für sein Umfeld – und Besucher im Weißen Haus sowie Pressevertreter, die in die Nähe von Trump und Pence kämen.

Im Übrigen habe der Präsident schon früher erklärt, dass er kein Problem mit dem Tragen einer Maske habe, wenn es denn nötig sei, sagte Regierungssprecherin Kayleigh McEnany. Auf die Forderungen seiner Republikaner, dass Trump sich öfter mit einem Mundschutz zeigen sollte, ging sie aber nicht ein.

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen hat das Virus längst seinen Weg in die Machtzentrale gefunden. Ein ranghoher Mitarbeiter von Pence sowie ein Hausdiener Trumps wurden im Mai positiv auf Corona getestet.

Dennoch seien Gesichtsmasken im West Wing, das die offiziellen Büros des Präsidenten beherbergt, ein seltener Anblick, berichtete Brad Sherman, ein kalifornischer Demokrat, der am Dienstag im Weißen Haus an einer Geheimdienst-Sitzung mit ranghohen Regierungsmitgliedern teilnahm. Acht Trump-Mitarbeiter seien dabei gewesen, doch habe nur der nationale Sicherheitsberater Robert O’Brien eine Maske getragen, sagte Sherman. Und niemand in dem abgesicherten Sitzungsraum habe 1,8 Meter Abstand halten können, wie es das Zentrum für Seuchenschutz und Prävention empfiehlt.

„Ich habe etwas Wesentliches gelernt, und zwar, dass das Weiße Haus eine maskenfreie Zone ist“, sagte Sherman der Nachrichtenagentur AP. „Der Präsident ist beharrlich. Für ihn ist es in Ordnung, dass Leute keine Maske tragen.“

Gegenbeispiele: Kanadas Premier Trudeau und Frankreichs Präsident Macron

Andere Staatenlenker hingegen, etwa Kanadas Premierminister Justin Trudeau und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, zeigen sich in der Öffentlichkeit mit Mundschutz. Ihre Bürger riefen sie auf, es ihnen gleichzutun, wenn sich keine sichere Distanz wahren lasse.

Lawrence Gostin, Experte für öffentliche Gesundheit an der Georgetown University in Washington, sorgt sich, dass die Republikaner mit ihren gleichlautenden Appellen „vielleicht zu spät dran“ sein könnten.

“Die Öffentlichkeit hat von der Regierung widersprüchliche Botschaften bekommen”, sagte der Forscher. “Ich fürchte, dass uns das Coronavirus anhängen könnte, bis es sich durch die amerikanische Bevölkerung gebrannt und Hunderttausende Tote hinterlassen hat.”

RND/AP