Donnerstag , 6. August 2020
Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Coronatest. Ab dem 1. Juli greift in Bayern ein neues Testkonzept, welches auch Menschen ohne jegliche Krankheitssymptome kostenlose Coronatests ermöglicht. Die Kosten dafür übernimmt der Freistaat Bayern. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

“Nicht zögern” – Bayern beschließt Ausweitung von Corona-Tests

Bayern führt ein Recht auf kostenlose Corona-Tests für alle Bürger ein. Das hat das Landeskabinett am Dienstag beschlossen. Die Argumente dagegen überzeugten ihn nicht, erklärte Ministerpräsident Markus Söder in einer anschließenden Pressekonferenz.

München. Das bayerische Landeskabinett hat am Dienstag eine massive Ausweitung von Corona-Tests im Freistaat beschlossen. Das teilte Ministerpräsident Markus Söder am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz in München mit. Wie schon zuvor angekündigt wurde, soll sich in Bayern künftig jeder kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können, unabhängig davon, ob er Symptome hat oder Kontakt zu Infizierten hatte. “Corona ist schnell, wir dürfen deswegen nicht zögern”, sagte Söder.

Das neue bayerische Testkonzept laute: “Schneller, kostenlos und für jedermann.” Zu Beginn der Corona-Epidemie seien selbst Menschen mit Symptomen auf mehrere Tage vertröstet worden, Menschen die lediglich Kontakt zu Infizierten hatten, hätten teilweise Wochen warten müssen. Die Wartezeiten will die Landesregierung nun drastisch reduzieren. Wer Symptome zeige, solle garantiert innerhalb von 24 Stunden getestet werden und innerhalb weiterer 24 Stunden ein Testergebnis erhalten. Die Testung von Personen mit Covid-19-Symptomen habe auch künftig oberste Priorität.

Darüber hinaus biete Bayern künftig umfassende Reihenuntersuchungen für das gesamte medizinische Personal in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen und anderen Einrichtungen an. Die Mitarbeiter könnten sich so regelmäßig testen lassen. Ein besonderes Interesse an regelmäßigen Tests gebe es auch bei Lehrern und Erziehern sowie in Polizei und Justiz, so Söder.

Neben diesen besonderen Gruppen sollen kostenlose Tests jedoch auch allen anderen Bürgern in Bayern zur Verfügung stehen, nicht nur einmal, sondern auf Wunsch auch mehrfach, wie Söder betonte. Diese Testmöglichkeiten böten den Bürgern auch nach der Rückkehr von Urlaubsreisen im Sommer eine erhöhte Sicherheit.

Argumente gegen Ausweitung der Tests überzeugen Söder nicht

Zusätzlich zur Ausweitung der Corona-Tests für die Allgemeinheit kündigte Söder auch die Entwicklung neuer Testverfahren und neue Teststudien unter anderem in Schulen und Kitas an. Außerdem habe die Landesregierung am Dienstag den Auftrag erteilt, eine umfassende Antikörperteststrategie zu entwickeln, die besonders im Herbst an Relevanz gewinne.

Die Ausweitung der Tests sei keine Frage von Prioritäten, sondern von Kapazitäten, “und die muss man erhöhen”. Bis heute habe Bayern schon mehr als eine Million Tests durchgeführt, pro Kopf seien das mehr Tests als im Bundesschnitt und mehr als in vielen anderen Staaten, sagte Söder. Derzeit würden etwa 10.000 Tests am Tag durchgeführt, die Kapazität läge jedoch bereits doppelt so hoch. Im Rahmen der neuen Teststrategie solle sie schrittweise auf 30.000 Tests am Tag erhöht werden. Die Kosten dafür schätzte Söder auf das Jahr hochgerechnet auf 200 Millionen Euro. In allen Fällen, in denen die Kosten nicht sowieso von den Krankenkassen getragen werden, werden sie künftig vom Freistaat Bayern übernommen.

Aus anderen Bundesländern und auch von Fachleuten gab es im Vorfeld Kritik an den geplanten bayerischen Massentests auch für Menschen ohne Symptome. Dass verschiedene Bundesländer einen anderen Weg gingen, respektiere er, sagte Söder. Die vorgebrachten Argumente gegen das ausgeweitete Testkonzept “überzeugen uns nicht”, erklärte er jedoch. Gerade die Kosten dürften kein Argument sein. “Wir dürfen nicht auf Kosten der Sicherheit der Bürger sparen.”

RND/feh