Donnerstag , 1. Oktober 2020
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Quelle: Peter Kneffel/dpa

Trotz Kritik: Söder erwartet Corona-Tests für alle bald in anderen Bundesländern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte teils heftige Kritik für den Vorstoß von freiwilligen Corona-Tests für alle erhalten. Der CSU-Chef geht davon aus, dass bald weitere Bundesländer dem Beispiel folgen werden. In einem Fall scheint er mittelfristig recht zu behalten.

Berlin. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist überzeugt, dass auch andere Bundesländer trotz ihrer teils heftigen Kritik bald dem bayerischen Vorbild von freiwilligen Corona-Tests für jedermann folgen werden. “Ich glaube schon, dass das eine Wirkung hat weit über Bayern hinaus”, sagte der CSU-Chef der “Augsburger Allgemeinen”.

„Ich wurde, als wir über Schulschließungen geredet haben, angegriffen, danach hat es jeder gemacht.“ Auch bei den bayerischen Ausgangsbeschränkungen habe es am Anfang Kritik gegeben, kurz darauf habe jedes Bundesland Kontaktsperren verhängt. Ebenso seien inzwischen alle Bundesländer Bayern bei den Beschränkungen für Urlauber aus Corona-Risikogebieten gefolgt.

Berlin zieht mit

Jetzt hat auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller kostenfreie Corona-Tests für alle in Aussicht gestellt – zumindest mittelfristig. “Es geht. Und ich glaube, wir werden auch sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen”, sagte der SPD-Politiker am Montagabend in einem ntv-Interview. Er verwies auf das schrittweise Vorgehen des Senats, zunächst würden die begonnenen Tests für Beschäftigte an Kitas und Schulen in den Sommermonaten ausgeweitet.

„Und es werden dann auch andere Bereiche kommen“, so Müller. „Wenn ein Bundesland anfängt und andere Bundesländer so wie wir eine Teststrategie haben, dann wird das eine Welle. Und die Tests werden günstiger, sie werden einfacher, es wird dann sowieso für viele Menschen ganz unproblematisch sein, sich testen lassen zu können.“

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses zunächst deutlich gemacht, dass sie vorerst keine kostenfreien Tests für alle in der Hauptstadt sieht. „Wir wollen in Berlin mehr testen“, sagte sie. „Aber wir wollen schon auch gezielter testen.“

Mehrere Länder lehnten Massentests ab

Mehrere andere Länder hatten am Montag eine solche Ausweitung ohne konkrete Anlässe für Massentests abgelehnt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zählte zu den Kritikern und sagte: “Einfach nur viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend.”

Söder sagte der „Augsburger Allgemeinen“, die Kritik an dem bayerischen Vorgehen sei nicht medizinisch begründet. „Der eigentliche Hintergrund ist etwas ganz Anderes: Das sind die Kosten.“ Er habe die gleich Debatte schon vor Wochen auf der Ministerpräsidentenkonferenz geführt, als er den bayerischen Weg angekündigt habe.

“Das Hauptargument war von dem ein oder anderen Kollegen, das koste uns zu viel, wer soll denn das alles bezahlen”. Testen sei jedoch das wichtigste medizinische Angebot nach dem Aufbau von Intensivbetten und der Produktion von Schutzmaterial. “Das ist die einzige ernsthafte medizinische Leistung, die der Staat an dieser Stelle erbringen kann.”

RND/dpa