Freitag , 25. September 2020
Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt zu Prozessbeginn in einem Gerichtssaal im Landgericht. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa Pool/dpa

Als IS-Mitglied angeklagt: Witwe von Cuspert wollte neues Leben beginnen

Die Witwe des Terroristen Denis Cuspert steht vor Gericht, weil auch ihr die Mitgliedschaft im Islamischen Staat (IS) und Menschenhandel vorgeworfen werden. Nach dem Tod ihres Mannes war sie 2016 von Syrien nach Deutschland zurückgekehrt. Den Angaben ihres Anwalts zufolge wollte sie ein neues Leben beginnen.

Hamburg. Die Witwe des IS-Kämpfers Denis Cuspert wollte nach Angaben ihres Anwalts in Deutschland ein neues Leben beginnen. Im Prozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht zitierte ihr Anwalt Tarig Elobied am Montag in mehreren Beweisanträgen dazu Nachrichten der 35-jährigen Angeklagten unter anderem bei Whatsapp.

Darin schrieb die Deutsch-Tunesierin den Angaben zufolge: “Jetzt bin ich wieder in der Gesellschaft” und “Mein Leben beginnt ganz neu”. Außerdem habe sie ihr Kopftuch abgenommen, in der Öffentlichkeit geraucht und anderen einen Abschiedskuss gegeben – alles Dinge, die im Islam verboten seien.

Vorwurf der IS-Mitgliedschaft

An anderer Stelle zitierte der Verteidiger die Angeklagte mit den Worten: “Ich will nicht als IS-Terroristin behandelt werden, ich habe gar nichts getan.” Dass sie bei ihrer Festnahme den rechten Zeigefinger gezeigt habe – ein Symbol, das die Dschihadisten für sich vereinnahmt haben – sei lediglich eine Trotzreaktion gewesen.

Die Bundesanwaltschaft wirft Omaima A. Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Sie soll Anfang 2015 mit drei kleinen Kindern ihrem Mann nach Syrien gefolgt sein und sich dort dem Islamischen Staat angeschlossen haben.

Seit August 2016 in Hamburg

Die gebürtige Hamburgerin wird ferner des Menschenhandels und eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit beschuldigt, weil sie eine 13-jährige Jesidin zeitweise als Sklavin in ihrem Haushalt gehalten haben soll. Nach dem Tod ihres ersten Mannes im Frühjahr 2015 habe sie dessen Freund Cuspert geheiratet, der später ebenfalls zu Tode kam.

Nach ihrer Rückkehr aus dem IS-Gebiet im August 2016 lebte die Angeklagte unbehelligt von Strafverfolgung in Hamburg, kleidete sich westlich und ging einem Beruf nach. Erst nach Recherchen einer arabischen Journalistin wurde sie im September 2019 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

RND/dpa