Samstag , 26. September 2020
Wikileaks-Gründer Julian Assange. Quelle: imago images/ZUMA Press

Folter und Corona-Gefahr: Ärzte fordern Freilassung von Julian Assange

Die “Ärzte für Assange” fordern die sofortige Freilassung des Wikileaks-Gründers. Assange sei Opfer von Folter und durch das Coronavirus einer besonderen Gefahr ausgesetzt. Der Appell von 216 Ärzten wurde im Medizin-Fachjournal “The Lancet” veröffentlicht.

London. Eine internationale Gruppe von 216 Ärzten fordert in einem Appell die Freilassung des Wikileaks-Gründers Julian Assange aus britischer Haft. Das Schreiben wurde am vergangenen Donnerstag im britischen Medizin-Fachjournal “The Lancet” veröffentlicht. Assange leide unter Folter und medizinischer Vernachlässigung und sei angesichts der Corona-Pandemie besonders gefährdet. Die Gruppe, die sich “Ärzte für Assange” nennt, hatte bereits im Februar 2020 dessen Freilassung gefordert und den britischen Behörden Folter vorgeworfen.

Auch der UN-Sonderberichterstatter für Folter hatte bereits im vergangenen Jahr die Freilassung des Wikileaks-Gründers und eine Ablehnung seiner Auslieferung an die USA gefordert und erklärt, Assange zeige Anzeichen “psychologischer Folter”.

In ihrem aktuellen Appell erklären die “Ärzte für Assange”, dessen Situation habe sich seit dem vergangenen Jahr noch verschlechtert. Assanges Grundrechte und die medizinischen Risiken, die vom Coronavirus für ihn ausgehen, würden missachtet. Außerdem würden ihm Treffen mit seinen Anwälten verweigert, vertrauliche Kommunikation zwischen Klient und Anwalt sei beschlagnahmt worden. Aufgrund coronabezogener Einschränkungen und medizinischer Risiken habe Assange an vier von fünf Anhörungen in seinem Fall seit Februar nicht teilnehmen können.

“Herr Assange ist ernsthaft gefährdet, sich mit Covid-19 zu infizieren”, schreibt die Ärztegruppe. “Da er nicht gewalttätig ist, sich in Untersuchungshaft befindet und laut der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierung willkürlich inhaftiert ist, erfüllt er die international empfohlenen Kriterien zur Freilassung von Gefangenen während Covid-19.”

Neue Anklage in den USA

Ebenfalls in der vergangenen Woche hatte die US-Justiz eine neue Anklage gegen Julian Assange erlassen. Das Justizministerium in Washington teilte mit, gegen den 48-Jährigen werde von einer breiteren Verschwörung beim Hacken von Computern als bislang ausgegangen. Demnach hätten “Assange und andere” Menschen dafür rekrutiert, Netzwerke zu hacken, damit Wikileaks davon profitiere. Allerdings würden zu den bisher 18 Anklagepunkten gegen Assange keine weiteren hinzugefügt.

Die US-Justiz wirft Assange vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dabei soll Washington zufolge insbesondere die Sicherheit von US-Informanten aufs Spiel gesetzt worden sein. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft. Assange bestreitet die Vorwürfe. Die Wikileaks-Enthüllungen hatten auch zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch amerikanische Soldaten geführt.

Assange hatte sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden jedoch später eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Er wurde zu einem knappen Jahr Gefängnis verurteilt.

Der gebürtige Australier sitzt seit rund einem Jahr im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Eine Anhörung zum US-Antrag auf Auslieferung Assanges war im Mai wegen der Corona-Pandemie auf September verschoben worden.

RND/feh/dpa